Tansania (2006)

Nationalparks in Tansania, vor allem die berühmte Serengeti, waren das Ziel einer Reise im Jahre 2006. Neben Tierbeobachtungen auf Pirschfahrten in den verschiedenen Nationalparks und interessanten Landschaften bei den Fahrten über Land erwartete uns Afrika pur.

Nach einem mehrstündigen Flug von Frankfurt in den Süden des afrikanischen Kontinents starteten wir in geländegängigen Fahrzeugen. Der Tarangire-Nationalpark, der Lake Manyara-NP und Serengeti-NP besuchten wir auf unserer Fahrt. Den Höhepunkt stellte der Ngorongoro-Krater dar, wo sich uns die gesamte Bandbreite der afrikanischen Tierwelt bot. Nach der Rückfahrt nach Arusha und einem noch längeren Rückflug über Mombasa kehrten wir nach Deutschland zurück.

Fahrtverlauf:

Der Beginn unserer Reise findet dieses Mal bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Abflug statt. Da wir in die Nähe des Äquators fliegen und dort noch die Regenzeit herrscht, müssen wir mit Fiebermücken rechnen. Das Malariarisiko ist deshalb relativ hoch. Die Folge für uns: wir müssen Mala-ria-Prophylaxe betreiben. Wir entschieden uns für ein Mittel, das täglich eingenommen werden muss und beginnen am Sonntag mit der Einnahme. Auch eine Art, Vorfreude zu produzieren.

1. und 2.Tag:

Am Abend fliegen wir in Frankfurt los und durchqueren in der Nacht große Teile des afrikanischen Kontinents. Vom Kilimanjaro ist beim Anflug bedauerlicherweise nichts zu sehen, alles liegt unter einer dicken Wolkensuppe und es regnet leise vor sich hin. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug - der größte Teil der Mitreisenden bleibt allerdings sitzen und fliegt weiter nach Mombasa (Kenya) - werden wir von feuchtschwüler Luft empfangen. Eine ca. 1-stündige Fahrt bringt uns zu unserem ersten Halt, dem Arusha-Hotel in Arusha, wo eine erste Besprechung und Information durch Alpha (das ist unser Abholer) und die Verteilung auf die geländegängigen Fahrzeuge stattfinden. Bei der zurzeit noch herrschenden Regenzeit kommt man ohne Allradantrieb an vielen Stellen nicht durch. Wir bekommen einen Fahrer, klein, älter, er stellt sich vor, dass er Gurt oder Gurti heißt. Später zeigt sich, dass „Gurt“ sein Nachname ist. Er spricht hervorragend deutsch (das hat er am Goethe-Institut in Tansania gelernt). Zeitweise hat er in München gelebt - man merkt es an manchen Bemerkungen, die den „bayerischen“ Insider verraten. Er ist sehr kommunikativ und warnt uns schon mal vor, dass sich die Tiere auf Grund des regnerischen Wetters vielleicht in die Berge zurückgezogen haben und dass wir nicht enttäuscht sein sollen, wenn wir nicht so arg viel zu sehen bekommen. Dann geht es los in Richtung Tarangire-Nationalpark. Eigentlich war ursprünglich eine andere Route geplant, aber dort ist wohl das Wetter im Augenblick noch schlechter. Am Eingang zum Nationalpark stehen wir etwas verloren herum und warten, bis der Eintritt und sonstige Formalitäten erledigt sind. Vor Langeweile werden kleine Vögel und Pflanzen fotografiert, um etwas zu tun. Dann geht es in den Park und ehe wir uns versehen sind alle Befürchtungen bezüglich der Tiere verflogen. Die Elefanten, für deren reiches Vorkommen der Tarangire-NP berühmt ist, halten sich alle brav im Talbereich auf und wir können viele Familiengruppen sehen, die fressend an der Straße entlang und durch das lockere Buschland ziehen. Im offenen Wagen stehend (das Hubdach ist zwischenzeitlich geöffnet, der Regen hat aufgehört) kann man die Tiere sogar deutlich schmatzen hören. Diese „Äußerungen“ sind jedenfalls viel lauter als die Geräusche, die die Tiere beim Laufen machen.

3. Tag:

Auf der Fahrt vom Tanganire-NP zum Lake Manyara-NP trifft uns eine Reifenpanne. Auf den rauen Wegen bisher ging alles gut, mitten auf der glatten Asphaltstraße ein Schwanken des Fahrzeugs, ein plötzlicher Knall – Plattfuß hinten rechts. Aber jedes Fahrzeug hat zwei Reserveräder dabei, kleine Verluste sind offensichtlich einkalkuliert. Der Radwechsel findet unter der Aufsicht eines Massai-Hirten statt. Er steht stolz in Stammestracht mit Speer am Straßenrand; drei kleine Kinder seines Stammes werden allerdings vertrieben, als sie versuchen, mit unseren beiden halbwüchsigen Mitfahrerinnen in Kontakt zu kommen. Gleich am Anfang im Lake Manyara-NP treffen wir auf eine Löwin und einen Löwen, beide sind aber nur kurz zu sehen und viel zu schnell wieder verschwunden um sie fotografieren zu können. Aber das gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir auf weitere Löwen treffen werden. Bei der Weiterfahrt stoßen wir zunächst auf sehr viele Elefanten und Giraffen, auch einige Affen sitzen am Wegesrand. Zum Übernachtung fahren wir in eine Lodge mit festen Zelten, nur 20 Stück mit jeweils einem Doppelbett, weit verteilt in einer sehr ursprünglichen Umgebung. Wir werden gut bewacht von Massai-Wächtern, die auch unser Gepäck transportieren. Die beiden Mädchen trauen sich allerdings nicht mehr aus dem Zelt, denn auch in der Nacht stehen im Gelände überall Massai-Wächter: wir sind in der Wildnis. In den Zelten aber ist alles vorhanden, was man braucht: Licht, warmes Wasser, Dusche, WC und wie immer Moskitonetze.

4. Tag:

Früh geht es aus dem Bett heraus. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, so nahen und direkten Kontakt mit der Natur zu haben. Jedes Rascheln, jeder Laut kommt ungehindert durch die Zeltwand. Außer den Naturlauten keine Geräusche, nicht mal die überall stehenden Massai-Wächter oder Träger, die später unser Gepäck zum Auto bringen, sind zu hören. Das Frühstück ist ausgiebig (allerdings sind wir etwas früh dran, deshalb kommen die guten Sachen erst, als wir schon fast fertig sind). Auf immer schlechter werdenden Straßen geht es in Richtung Serengeti-NP. Vorher müssen wir aber ein Stück am Ngorongoro-Krater entlang fahren. Die Straße würde bei uns praktisch als unpassierbar eingestuft, hier fahren wir teilweise mit 50 bis 80 Stundenkilometer unter wildem Schlingern und Rütteln entlang. Ein schöner Ausblick auf das Krater-Innere am Denkmal zu Ehren der umgekommenen Mitarbeiter der Naturschutzbehörden (unter anderem Michael Grzimek, an dessen Denkmal wir etwas später an seiner Absturzstelle mit dem Flugzeug auch noch vorbeikommen) versöhnt uns etwas mit dem Höllenritt. Dann geht es weiter über die immer weiter werdende Landschaft des Massai-Landes in Richtung Serengeti. Die Massai-Männer mit ihren intensiv gefärbten Umhängen (meist rot oder blau) bewachen stolz ihre Herden. Einige nutzen die Wasserstellen, die der tägliche Regen hinterlässt, zum Waschen ihrer Kleidung und zur Körperpflege. Langsam ändert sich die Umgebung zu der ausgedehnten Graslandschaft, die man von der Serengeti erwartet. Alles ist aber tief grün, die Regenzeit lässt das Gras wachsen. Es ist in dieser Zeit so hoch, dass sich Löwen leicht darin verstecken können, allerdings stechen sie wegen ihres gelben Fells vom Grün des Grases ab. Den ersten Eindruck von den riesigen Tierherden bekommen wir noch vor dem Serengeti-NP durch entlang ziehende Gnu-Herden, die von Horizont zu Horizont reichen und uns immer wieder zum Halten zwingen, weil wieder eine Gruppe von 50 bis hundert Tieren unseren Weg quert. Als wir zwei Tage später auf dem Rückweg wieder vorbei kommen, hat der Strom der Gnus noch immer nicht nachgelassen. Am Ende werden es Millionen von Tieren sein. Unterwegs kommen wir an den Resten einer Gazelle vorbei, um die sich eine große Gruppe von Geiern und mehrere Marabus streiten. Einer der Geier fährt in die Halshaut so weit hin, dass es aussieht, als ob er eine Maske aufsetzen will. Eingänge zu NPs haben immer zweierlei Aufgaben: ersten muss der Fahrer zahlen und zweitens ist es die willkommene Gelegenheit, sich die Füße zu vertreten oder sonstigen Bedürfnissen nachzugehen. Innerhalb der NPs ist das Aussteigen ja strikt verboten – und auch meist nicht empfehlenswert, wenn in naher Entfernung zum Beispiel eine Büffelherde interessiert die Ankömmlinge betrachtet. In diesem Fall gibt uns der Halt noch Gelegenheit unser Mittagessen in Form von Lunchpakten einzunehmen. Dabei stehen wir in Konkurrenz zu einer Gruppe von Glanzstaren, die auch etwas von unserer Verpflegung abhaben wollen und uns teilweise recht dreist anbettelen oder sogar auszutricksen versuchen. Die weitere Fahrt führt an weiteren Gnu-Herden vorbei, die von ihren „besten Freunden, den Zebras“ (so die Ausdrucksweise unseres Fahrers) begleitet werden. Die einen sehen gut, hören und riechen nicht so gut, bei den anderen ist es umgekehrt und so ergänzen sie sich bestens. Zum Höhepunkt des Tages holperen wird dann über die ausgefahrenen Wege entlang einer Gruppe auseinander stehender Akazienbäume. Der Fahrer will uns einen Leoparden auf dem Baum zeigen - und was finden wir, einen Löwen auf dem Baum. Diese Baumlöwen sind eine hiesige Spezialität. Unserer hängt mehr als dass er liegt auf einem dicken Ast, man könnte glauben, jemand hat ihn zum Trocknen dort aufgehängt. Er lässt sich auch durch unsere Anwesenheit (Entfernung ca. 40 m) nicht beeindrucken und schläft seelenruhig weiter. Die Fahrt geht dann weiter entlang dieser Bäume und ein paar Kilometer weiter haben wir das Glück, dass tatsächlich ein Leopard in einem Baum schläft. Inzwischen ist es schon relativ spät, das Licht ist recht gedämpft, weil sich der tägliche Abendregen bereits ankündigt. Er erreicht uns dann bei der Fahrt zur Lodge und das in einem Ausmaß, dass man die Straße nur noch als Wasserfläche ohne Unterscheidung von hoch oder tief wahrnehmen kann. Dabei ereilt uns dann kurz vor dem Ziel nochmal eine Reifenpanne, beim Hineinplumpsen in eine Pfütze wird der Reifen von einem Stein regelrecht aufgeschnitten. Also wieder ein Reifenwechsel, allerdings in unmittelbarer Nähe einer ca. 20-köpfigen Büffelherde, die ihrerseits durch Regen und Gewitter bereits recht aufgeregt ist. Wir müssen also aussteigen, damit die Fahrer unserer beiden Fahrzeuge arbeiten können. Der Regen hat zwar aufgehört, aber die Nähe zu den schnaubenden Tieren beruhigt unsere Gemüter nicht sehr. Aber nach kurzer Zeit ist auch dieses Problem gelöst und uns erwartet unsere Unterkunft mit Kaffe und Kuchen und einer warmen Dusche.

5. Tag:

Der nächste Tag beginnt sehr früh. Weit vor Sonnenaufgang werden wir abgeholt und zum Startplatz für eine Heißluftballonfahrt gebracht. In einem Zwölf-Mann-Ballon geht es eine Stunde mal dicht am Boden, dann wieder in größerer Höhe über die Serengeti. Durch das Fauchen des Brenners aufgeschreckte Impalas oder Flusspferde traben entlang, man kann von oben in ein Geiernest samt Ei schauen (Frau Geier ist wohl wegen des Lärms der Brenner ein Stück weit geflüchtet). Aug in Aug mit fliegenden Marabus und Geiern und auf gleicher Höhe mit einem auf seinem Nistbaum sitzenden Sekretär erleben wir den Sonnenaufgang und das Erwachen der Natur. Nach der Landung gibt es Champagner, dann werden wir in die Fahrzeuge gesetzt und nach einer kurzen Fahrt wartet mitten in der Serengeti unter einer Schirmakazie ein gedeckter Tisch mit Porzellangeschirr, Kristallgläsern und Silberbesteck auf uns. Waschgelegenheit mit warmem Wasser für die Hände steht zur Verfügung und auch für andere Bedürfnisse ist vorgesorgt. In einer Feldküche wird unser (englisches) Frühstück zubereitet und von weiß gekleideten Männern diskret serviert: Out of Afrika lässt grüßen. Anschließend werden wir wieder zurückgebracht zu den jeweiligen Gruppen und wir setzen unsere Safari fort. Der nächste Pflichtbesuch gilt dem Serengeti-Museum, einem sehr schön eingerichteten Gelände, das mit Hilfe von vielen Schautafeln eingebettet in die Originallandschaft viele interessante Informationen bringt. Auf dem Gelände tummeln sich Mungos und Klippschliefer in größerer Zahl. Dann geht es weiter zu einem der großen Hippo-Pools, bevölkert von mehreren Dutzend Flusspferden aller Größen, von klein bis ganz groß. Dazwischen schwimmen auch mehrere kleine Krokodile. Den krönenden Abschluss des Tages stellt eine weitere Begegnung mit einem Leoparden dar, der diesmal bei besserem Licht und offensichtlich auch nicht so müde uns interessiert beobachtet. Er hat es sich in einer Astgabel gemütlich gemacht und betrachtet die vor ihm lauernden Menschen mit offensichtlichem Interesse.

6. Tag:

Der nächste Tag beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Auf der Fahrt zum Ngorongoro-NP stoßen wir an einer Straßeneinmündung auf vier Löwen, denen offensichtlich das Gras vom Regen zu nass ist und die sich deshalb auf der zwar etwas lehmigen, aber wohl trockeneren Straße niedergelassen haben. Auch als drei Fahrzeuge sich bis auf ca. 10 Meter nähern und sogar hin und her rücken (wegen der besseren Fotografiersicht), beeindruckt das die Löwen nur gering. Vater Löwe liegt zunächst unter einem Busch und zieht sich dann aber zurück, während die drei anderen sich vor unseren Augen räkeln. Ein jüngeres Männchen und zwei Weibchen können wir so über längere Zeit beobachten. Sie sind so wenig von unserer Anwesenheit irritiert, dass sich schließlich einer auf den Rücken legt. Allerdings behält er uns im Auge (zumindest mit einem Auge). Ein Stück weiter treffen wir auf eine Gnu-Herde, die einen etwas aufgeregten Eindruck macht. Am hinteren Ende der ziehenden Herde, wieder gemischt mit Zebras, stehen einige Gnus mit leicht gesenkten Köpfen nebeneinander und nach hinten ausgerichtet. Und dann können wir auch den Grund erkennen, etwa 50 Meter weiter hinten lauert eine Löwin. Da sie aber erkannt hat, dass man sie beobachtet, schaut sie demonstrativ auf die Seite und legt sich schließlich flach auf den Boden. Dies beruhigt offensichtlich die Gnus, die nach Ansicht unseres Fahrers ein bisschen dumm sind, und sie drehen sich wieder nach vorne. Sofort erwacht wieder der Jagdinstinkt in der Löwin und sie steht geduckt und sprungbereit im hohen Gras, allerdings reagieren auch die Gnus sofort und dieses Spiel wiederholt sich einige Male. Unser nächster Halt ist dann an der Olduvai (eigentlich Oldupai)-Schlucht, sozusagen an der Wiege der Menschheit. In einem kleinen Museum werden die Fundstücke aus der Umgebung gezeigt. Am interessantesten sind für uns die von Leakey (Australopithecus boisii bzw. Zjanthropus) und die Abgüsse der Fußspuren aus dem nur wenige Kilometer entfernten Laetoli. Daneben werden fossile Reste vieler hier ehemals vorhandener Tiere und Werkzeuge verschiedener Frühmenschen gezeigt. Ein zwar kurzer aber äußerst informativer Vortrag mit Beschreibung der verschiedenen Ablagerungen und der jeweils gemachten Funde runden das ganze ab. Kleine Bemerkung am Rande: Ich habe noch nie eine Toilette mit einem derartig geschichtsträchtigen Blick (auf die Ausgrabungsstellen) besucht. Dann schrauben wir uns langsam auf extrem ausgefahrenen Straßen auf eine Höhe von knapp 2400 m, denn so hoch liegt die Lodge, in der wir zwei Nächte verbringen sollen. Ngorngoro: Der Empfang in der sehr großzügigen Anlage mit verglastem Balkon vor jedem Zimmer ist wieder leicht feucht. Selbst in dieser Höhe macht sich die Regenzeit bemerkbar und damit ist am Abend wieder Regen angesagt. Meist nur kurz in Form von Gewittern, aber ausreichend, damit das Personal dann alle Hände voll zu tun hat, um der Wassermassen Herr zu werden. Anschließen bieten sich dann aber meistens grandiose Blicke auf die Landschaft und Sonnenuntergänge in einer Farbenpracht von gelb über orange und rot bis lila, die für die „Feuchtzeiten“ entschädigen. Auch hier wieder ein Empfang mit dem ausgezeichneten einheimischen Kaffee und Kuchen. Nach dem hervorragenden Abendessen eine Gesangseinlage des Küchenpersonals, das anlässlich des Ostersonntags einige Lieder singt, begleitet von einer Rhythmusgruppe mit Topfdeckeln, Töpfen, Bestecken und Gläsern. Ein riesiger Nashornkäfer brummt ebenfalls mit, stürzt allerdings dann ab, weil keiner ihn so recht mag. Ein weiteres Exemplar verweigert sich sogar mit lautstarkem Gezische, als es vor dem Zertreten werden bewahrt werden soll.

7. Tag:

Trotz der Höhe von fast 2400 Metern und der Jahreszeit ist die Nacht nicht so arg kalt (in den Alpen würden wir mit dem Skilift in diese Höhe kommen). Angenehmerweise gibt es hier keine Moskitos. Am Morgen steht eine Pirschfahrt im Ngorongoro-Krater auf dem Programm. In diese Caldera (ein eingebrochener Rest eines Vulkans) führen insgesamt nur drei Straßen: eine steile, kurvenreiche Einbahnstraße hinein, eine steile, kurvenreiche Einbahnstraße heraus und eine gemäßigt steile, dafür aber extrem mit Schlaglöchern, Rinnen und Rippelmustern versehene breitere Straße hinein und hinaus. Über diesen Weg werden wir ungefähr 900 Höhenmeter nach unten geschüttelt. Aber auch das lohnt sich. Als erste Bewohner treffen wir auf mehrere Büffelherden mit vielen Jungtieren. Einige Elefantenbullen z.T. mit teileise abgebrochenen Stoßzähnen und einem etwas klapprigen Aussehen („pensionierte Elefanten“ nach Auskunft unseres Fahrers), d.h. ältere Einzelgänger, stehen oder laufen gemächlich fressend durch das Gras – die Kühe mit den Jungen kommen nicht nach unten. Große Aufregung plötzlich, zwei stattliche Löwenmännchen, offensichtlich zwei gleichaltrige Brüder, kreuzen unsere Straße und traben dann in die Weite des Krater-Bodens. Wir aber sind auf der Suche nach einem der Spitzmaul-Nashörnern. Nur 18 Exemplare gibt es zurzeit im Krater, davon zwei Junge. Die Tragzeit ist lang, die Jungen werden mehrere Jahre betreut und während dieser Zeit ist keine weiterer Nachwuchs möglich. Jedes der Tiere hat praktisch seinen eigenen Ranger und sie werden rund um die Uhr bewacht. Gefahr kommt von Wilderern, die die Tiere wegen ihres Horns abschießen, das für teueres Geld nach Ostasien verkauft werden kann. Nachdem wir schon eine ganze Zeit erfolglos in der Gegen herumgekurvt sind, kommt plötzlich über Funk die Nachricht, ein Nashornbulle läuft auf einen bestimmten Straßenabschnitt zu. Unserer Fahrer hört das, dreht auf der Stelle um und fährt die Strecke, die wir gerade mit ungefähr 20 – 30 km/h passiert haben und kräftig durchgerüttelt wurden, mit 70 bis 80 km/h zurück. Den Muskelkater vom Festhalten spüren wir noch zwei Tage später. Aber wir kommen zu dem Straßenabschnitt und tatsächlich nähert sich gemächlich fressend ein Nashornbulle. Wir hoffen, dass er vielleicht bis auf vielleicht 50 Meter herankommt, aber leider dreht er dann doch noch relativ weit entfernt ab. Die weitere Fahrt bringt uns vorbei an Kori-Trappen, verschiedenen Gazellen-Arten und Schakalen. Schließlich stehen wir am größten See im Krater, auf dem Hunderte von Flamingos, Kuhreiher, Enten und noch viele andere Vogelarten ihr Futter suchen. Vor allem die Flamingos beeindrucken durch ihre Färbung (tiefrosa und eher weiß), die Spiegelungen im See und Vielfalt der Motive begeistern die Fotografen und alles spielt sich unmittelbar vor unserer Nase ab. Zwischenzeitlich ist es Mittag geworden, wir steuern einen der Picknickplätze für eine kleine Pause an. Normalerweise setzen wir uns dabei auf Bänke ins Freie, es ist ja trotz Regenzeit recht warm. Hier aber warnt uns unserer Fahrer vor Milanen, die recht rüde sich ihren Anteil am Mittagessen direkt aus den Händen der überraschten Menschen reißen. Tatsächlich taucht auch recht rasch ein Milan auf Kontrollflug auf, allerdings dreht er ab, weil er die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen sieht – keiner sitzt mit Essen draußen. Nur ein paar verrückte Fotografen rennen hinter ihm her, um ihn auf den Film zu bannen. Da verschwindet er, um Platz zu machen für andere Vögel, die sich aber mehr um die Krümel kümmern. Nach dem Mittagessen geht die Pirschfahrt weiter und wir treffen durch Zufall auf eine Nashornfamilie, Vater, Mutter, Junges, zwar weit entfernt, aber gut zu sehen. Für die Fotografen etwas enttäuschend, aber damit haben wir insgesamt praktisch 1/5 der Gesamtpopulation der Nashörner im Krater zu Gesicht bekommen. Ein weitere Begegnung mit Löwen, die sich einen offensichtlich schon etwas älteren (=stinkenden) Kadaver vorgenommen hatten, und mit einer im Schlamm suhlenden Rotte von Warzenschweinen schließen diesen Tag ab. Es geht wieder auf holpriger Piste zurück zur Lodge.

8. Tag:

Der letzte Reisetag soll uns zurück nach Arusha bringen. Auf der bereits hinreichend bekannten Holperstrecke, dann weiter auf schöner Asphaltstraße geht es durch weite Anbaugebiete für Mais, Reis und vor allem den hervorragenden Kaffee. Ein Abstecher führt in das Heritage Center in der Nähe von Arusha, eine Art Verkaufsausstellung für alle Arten von afrikanischer Kunst, sowohl alt wie neu. Für den Kauf von Andenken ist das für uns der bessere Ort. Wir wurden zwar im Laufe der Reise häufiger in Souvenirläden (von zum Teil ganz unterschiedlicher Güte) gebracht, meist als Toilettenpause verbrämt, aber die dort angebotenen einheimischen Produkte konnten nicht so recht überzeugen. Nach der Ankunft im Arusha-Hotel und dem Mittagessen steht der Rest des Tages zur freien Verfügung. Viel zu besichtigen gibt es allerdings in dieser relativ neuen Stadt nicht, die gerade dabei ist, sich zum Zentrum für Safaris in die verschiedenen Nationalparks zu entwickeln. Etwas aufdringliche „Helfer“ oder „Beschützer“ verfolgen jeden als Touristen erkannten Fremden und lassen erst nach ziemlich massiver Ablehnung von einem ab. Trotzdem ist ein Bummel durch die Straßen und über die Märkte höchst interessant.

9. Tag:

Der nächste und letzte Tag beginnt wieder mit einem recht frühen Aufstehen (3:00 Uhr), allerdings mit einem erstaunlich aufwändigen Frühstück im Hotel. Dann kommt der Transport zum Flugplatz Kilimandjaro. Im Regen waren wir 8 Tage vorher gelandet, im Regen starten wir. Als wir allerdings durch die Wolkendecke kommen, liegt schräg unter uns der weiße, schneebedeckte Gipfel des Kilimanjaro, ein Anblick der selbst die Stewardess begeistert, und ein würdiger Abschluss der Safari-Tour durch vier Nationalparks. Der Rückflug verläuft zunächst nach Mombasa in Kenya, von wo dann nach über zwei Stunden Zwischenaufenthalt der Flug nach Frankfurt starten soll. In der Transfer-Lounge gibt es keinerlei Anzeigetafeln, wann welcher Flug wohin geht. „Nummerngirls“ laufen mit Schildern in der Halle rum, wenn ein Flug aufgerufen wird. Irgendwie bekommt man aber doch den jeweiligen Abflugtermin so in etwa mit und alle drängen dann in den einzigen Wartebereich vor dem Besteigen des Flugzeugs. Relativ pünktlich heben wir ab und nach ca. 10 Stunden Flug landen wir wieder in Frankfurt.