Baltikum 2015

Die drei baltischen Staaten sind seit Jahrhunderten eng mit dem mitteleuropäischen Raum verbunden. Schon zu Zeiten der Hanse bestand eine ganze Reihe von Handelsstationen in diesem Gebiet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich immer wieder die Grenzen auf dem Baltikum, die jeweiligen Herrscher wechselten viele Male. Heute gehören alle drei Staaten zur europäischen Gemeinschaft und verwenden den Euro. Bei einer Reise vom Süden nach dem Norden sollten die Länder Litauen, Lettland und Estland besucht werden und die geschichtlichen Wurzeln nachverfolgt werden.

Litauen

  1. Tag, Freitag, 05.06.2015: Flug nach Vilnius

Die Anfahrt mit dem Zug sollte um 5:35 Uhr beginnen, doch weil der Ablöse-Zugführer nicht rechtzeitig kommt (Reparaturarbeiten auf der Bahnstrecke), verspätet sich der Start. Die Fahrt geht zum Teil wild romantisch auf einspuriger Nebenstrecke durch den Wald, weil die Hauptstrecke nach Frankfurt umgebaut wird. Es dauert zwar etwas länger, ist dafür landschaftlich aber recht schön. Am Flughafen sollte alles recht einfach gehen: Gepäck auf´s Band, Boardingcard auf dem Handy vorzeigen, fertig, aber leider hat ein Koffer etwas zu viel Gewicht. Deshalb ist Umpacken angesagt. Bei der Sicherheitskontrolle bekommt die Kameratasche wie immer eine Sonderbehandlung mit Drogensuchstreifen. Die Laune der untersuchenden Dame ist ebenfalls wie immer schlecht. Die Passkontrollen erscheinen uns diesmal strenger (wahrscheinlich eine Folge des G7-Gipfel in Elmau an diesem Wochenende).

Der Flug selbst ist recht ruhig, nachdem wir die Wolkengrenze durchbrochen haben. Zu essen gibt es ein ganz „delikates“ Sandwich, was für die Gesamtdauer des Flugs (1:35) aber völlig ausreichend ist, und zum Runterspülen etwas zu trinken. Nach der Landung stellt sich heraus, dass die gesamte Reisegesellschaft einschließlich des Reiseleiters an Bord war. Mit einem Bus fahren wir zum Hotel direkt ins Zentrum. Weil schon alle da sind, können wir gleich mit einem kurzen Stadtrundgang in Hotelnähe anfangen. Nachdem der RL uns auf die Zeitumstellung aufmerksam gemacht hat, bekommen wir anschließend etwas freie Zeit bis zum Abendessen.

Das Treffen zum gemeinsamen Abendessen ist für 7:00 Uhr Ortszeit (+1 Stunde gegenüber unserer Sommerzeit) ausgemacht. Zum ausgemachten Zeitpunkt sind alle sind da, außer dem RL. Nachdem wir ½ h gewartet haben, gehen wir in das Lokal nebenan, wo das Abendessen stattfinden soll. Es gehört zum Hotel und wir bekommen dort jeweils auch das Frühstück. Wir fangen schon mal an zu essen, da kommt mit 50 min Verspätung der RL. Er hatte vergessen, die Zeit auf seinem Handy umzustellen (!), nachdem es wieder aufgeladen war. Die Vorspeise besteht aus einem gemischten Salat mit Brotbröseln und Krabben, als Hauptgericht dann Hühnerbrust gegrillt mit Beilage und zum Nachtisch Sahneschnitte und Kaffee. Alle sind etwas müde, da einige bereits um 4:00 Uhr gestartet oder zumindest aufgestanden sind. So findet ein relativ früher Aufbruch statt.

  1. Tag, Samstag, 06.06.2015: Vilnius und Trakai

Das Frühstück findet sehr angenehm ab 8:00 Uhr statt. Es gibt ein Buffet mit Omelett, Speck, Würstchen, Lachs, Käse, Wurst, usw. Allerdings finden wir erstaunlicherweise nur Knoblauch-Weißbrot und Schwarzbrot mit Paprika. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig als Unterlage für Marmelade. Als Ersatz verwenden wir Hörnchen, außerdem gibt es noch einige süße Gebäcksachen mit Apfel- und Quarkfüllung. Allerdings birgt vieles ein gewisses Überraschungspotenzial.

Um 9:00 Uhr startet der eigentliche Spaziergang durch Vilnius. Wir kommen an vielen Kirchen der unterschiedlichsten Konfessionen vorbei, fast in jeder findet eine Hochzeit oder zumindest ein Gottesdienst statt, es ist Samstag. Die Häuser – vor allem im barocken Stil, weiß mit Stuckornamenten – sind nicht so ganz unser Geschmack.

Die Mittagspause verbringen wir im Hotel, so können wir die Füße ausruhen und das Hemd etwas trocknen lassen, denn es ist sehr warm. Anschließend geht es mit dem Bus auf die Fahrt nach Trakai, einem Wasserschloss auf einer Insel. Bei der Führung durch einen Einheimischen, der den Schwerpunkt auf die Geschichte des Landes mehr aus der Sicht Litauens legt, relativieren sich etwas die sehr Polen-lastigen Aussagen des RL. Die Führung ist sehr amüsant und bringt ebenfalls viele Informationen. Auch hier, wie schon in Vilnius, sind wieder viele Brautpaare unterwegs, diesmal allerdings zum Fotografieren in allen Lagen. Außerdem erscheinen auch einige der Junggesell(inn)en-Abschiedstrupps von gestern.

Wir machen eine kurze Kaffee-Pause gegenüber der Wasserburg. Die Bedienung ist etwas zögerlich, am Nachbartisch wird aus Zeitmangel deshalb das Eis storniert. Auf der Straße steht neben unserem Bus eine Stretch-Limousine Marke Eigenbau, die fast genau so lang wie der Bus ist. Dann geht es auf die Rückfahrt zum Hotel.

Im Restaurant im Rathaus (auf der Rückseite des Gebäudes) bekommen wir ein Menü aus kalter Gemüsesuppe (mit Roter Beete gefärbt, schmeckt sehr gut), Hechtröllchen mit einem Klecks Kartoffelbrei und als Nachtisch nicht so ganz definierbare Stücke von derbem „Mozarella“ (vielleicht Quark) mit Orangenmarmelade. Der Bierpreis geht in Ordnung, aber für das Glas Wein 7,00 EUR ist schon etwas happig.

Nach dem Essen kurze Vorstellungsrunde, die Hessen sind eindeutig in der Mehrzahl. Marek Stanczyk, der RL, stellt sich als gebürtiger Pole heraus, der aber zwischenzeitlich die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat. Er hat Kunstgeschichte studiert und tourt für Studiosus in den Benelux-Ländern, im Osten, aber auch in Südafrika und Nordamerika.

Anschließend machen wir einen kleinen Verdauungsspaziergang, ein abschließendes Getränk fällt aus, weil alle Lokale proppenvoll sind, meist junge Menschen. Außen wird es schon etwas kühl und außerdem ist Endspiel Barcelona gegen Juventus Turin. Wir gehen deshalb zurück ins Hotel ohne Nachttrunk und packen. Morgen steht schon die nächste Fahrt an.

  1. Tag, Sonntag, 07.06.2015: Durchs Memelland über Kaunas nach Klaipeda

Am Morgen gehe es nach ausführlichem Frühstück nun mit dem Bus los, den wir während der folgenden Tage bis Tallinn behalten werden. Jaris, der Fahrer, ist ein sehr gediegen aussehender, freundlicher Mann. Wir werden auf der Fahrt noch einige seiner Fahrkünste mitbekommen. Für uns sind die Fahrten immer sehr entspannend, denn er fährt sehr ruhig und unaufgeregt.

Erste Unterbrechung der Fahrt nach Klaipeda ist in Kaunas. Auch hier gibt es recht nette Häuser aus Backstein mit Verzierungen und die Kirche ist auch typische Backsteingotik. Vor der Kirche steht ein Kunstwerk mit weiß angemalten Fahrrädern. Wir bekommen wieder etwas Zeit zum Bummeln. In einem Café verbringen wir die Mittagspause, dann schauen wir an der Kirche dem Treiben zu. Ein kleines Mädchen füttert mit Hingabe die Tauben. Am Himmel führen zwei Flugzeuge Kunstflugfiguren auf. Am Parkplatz sehen wir beim Einsteigen in den Bus ein riesiges Wandgemälde an eine Hauswand, das wohl auf einen Dichter Bezug nimmt.

Nach einer Fahrt durch eine Landschaft, die auch bei uns zu finden sein könnte (Kiefern, Birken, Wiesen) gelangen wir nach Klaipeda. Auf dem Theaterplatz singt leider nicht der bereits angekündigte Akkordeon-Spieler das „Ännchen von Tharau“ (unsere vorbereiteten Gesangstexte bleiben ungenutzt). Wir sehen nur das Standbild. Dann folgt ein kurzer Gang durch die Hauptstraße mit den fischgrätartig angeordneten Nebengassen, die zum Fluss führen. Durch das Hafenviertel geht es dann zurück zum Hotel. Das Abendessen besteht aus einem Salatteller, Rindfleisch mit Rosenkohl und Roter Beete und als Nachtisch Pannacotta mit Früchten.

Am Abend machen wir in der Gruppe nochmal einen kleinen Rundgang durch das Stadtzentrum, um Lokale für das Abendessen am nächsten Tag zu suchen.

  1. Tag, Montag, 08.06.2015: Klaipeda – Kurische Nehrung

Das Frühstück ist ausgesprochen umfangreich, verschiedenen Brotsorten, Wurst, Käse, Eier, Speck, der Kaffee sehr gut.

Wir starten unsere Fahrt an der Fähre über die Memel, dann geht es weiter die Nehrung entlang. Wir fahren wieder durch langgestreckte Kiefernwälder, dazwischen immer wieder kurz Sandbereiche, die mit Pflanzen (Strandhafer) befestigt werden. Auf halber Strecke nach Nida dann ein Aufstieg zu einer naturbelassenen Düne in Richtung Haff. Wir haben einen schönen Blick aufs Wasser und sehen unterwegs verschiedene Tierspuren und Pflanzen (vor allem Kriechweide und Strandhafer zur Befestigung der Wanderdünen). Die Dünen sind dadurch festgesetzt und damit „tot“. Das ganze Gebiet ist ein Naturschutzgebiet

Nach dem Abstieg durch den Sand und über Holzroste fahren wir weiter nach Nida. Zuerst steht ein Besuch des Thomas-Mann-Hauses mit Ausstellung und schönem Blick aufs Wasser auf dem Programm. Dann wandern wir am Wasser entlang zu einem Bernstein-Laden. Wir bekommen eine Vorführung zum Bernstein geboten. Später kaufen wir dann ein Stück Bernstein mit Einschluss in einem Rahmen, den wir im Fenster der Bibliothek aufhängen wollen. Zum Mittagessen geht es weiter zu einem Fischer. Dort gibt es eine Fischplatte mit vier Sorten Räucherfisch (Aal, Seehecht, Makrele und Seebrasse). So ganz überzeugt sind wir von dem geräucherten Fisch nicht. In der folgenden freien Zeit marschieren wir noch einmal zum Bernstein-Laden und dann zu einem Café mit selbst gemachtem Kuchen, das wir auf dem Hinweg gesehen haben. Kaffee und Kuchen sind sehr gut.

Die Fahrt geht weiter zu einer weiteren Düne im Grenzbereich zu Russland, die allerdings touristisch sehr erschlossen ist (Asphaltstraße, mit Bus befahrbar und breiter Fußweg). Auf der Parniddener Düne (litauisch: Parnidžio kopa) oder Hohe Düne steht ein interessanter Sonnenuhr-Kalender mit Korrekturen für die unterschiedlichen Monate. Von hier geht ein weiter Blick über das Haff bis zum gegenüber liegenden Festland in einiger Entfernung. Wir sind ganz nahe an der Grenze zu Russland.

Die Rückfahrt geht wieder auf der Kurischen Nehrung entlang bis zum Übersetzen mit der Fähre.

Zuhause müssen wir feststellen, dass Reginas Geldbeutel mit Karten und Geld nicht aufzufinden ist, wir hoffen dass er im Bus runtergefallen ist, können dort aber erst am nächsten Tag nachschauen.

Wir gehen noch etwas spazieren, die Lust auf ein Abendessen ist bei uns allerdings recht gering.

Die Suche nach einem Lokal, das im Reiseführer recht gut bewertet wurde, ist ein Fehlschlag, der eine Teil des Lokals ist zu, im anderen sitzt man bei den aktuellen Temperaturen im Wind etwas ungemütlich. Außerdem ist es völlig leer. Wir gehen deshalb weiter zum Theaterplatz und finden ein Lokal mit litauischer Speisekarte, gut besucht – auch von Einheimischen -, warm und mit sehr freundlichen Bedienungen. Das Essen, Blini und eine Käseplatte mit einheimischem Käse, ist günstig, gut und ausreichend.

  1. Tag, Dienstag, 09.06.2015: Berg der Kreuze und Rundale

Das Frühstück ist auch heute wieder sehr üppig. Uns ist allerdings der Appetit wegen des Verlusts des Geldbeutels etwas vergangen. Nachdem er im Bus nicht zu finden ist, lassen wir die Karten sperren. Das geht über die zentrale Nummer recht einfach, erst die EC-Karte, dann wird weitervermittelt direkt zur Kreditkarte. Recht viel mehr kann man im Augenblick nicht machen, aber zumindest wird der eventuelle finanzielle Schaden damit relativ minimiert. Eine Anzeige bei der Polizei lehnt der RL ab, weil dadurch sein Zeitplan durcheinander geraten würde.

Um 9:00 Uhr starten wir zur Weiterfahrt. Der heutige Tag bringt wieder eine längere Tour.

Unser erstes Ziel, der Berg der Kreuze, sieht eher aus wie eine Müllhalte für Kreuzen. Tausende von Kreuzen aus jedem erdenklichen Material und von miniklein bis 2,50 Meter hoch mit Betonfundament ist alles vertreten. Es ist schon eine etwas makabre Situation, zum Teil liegen hunderte kleine Kreuze in riesigen Haufen zwischen „Zäunen“ aus Großkreuzen. Auch der Papstaltar vom Besuch Johannes Paul II und ein entsprechendes Kreuz ist zu sehen.

Kurz vor der Landesgrenze nach Lettland machen wir Halt für die Mittagspause. Wir hatten eine der landestypischen Spezialitäten „Zeppelini“ vorbestellt, da die Zubereitung etwas zeitaufwändig ist. Sie schmecken recht gut. Im Grunde sind es eine Art von Kartoffelknödeln mit einer Wurstfüllung, auf jeden Fall sehr fett.

Lettland

Dann geht die Fahrt weiter über die Grenze nach Lettland. In Pilsrundale (Schloss Rundale) bekommen wir eine Schloss-Führung von einer jungen, sehr gut Deutsch sprechenden Lettin. Die Räume sind sehr schön eingerichtet, das Schloss neu renoviert, die Gartenanlagen sind offensichtlich neu angelegt, ein Teil wird gerade fertiggestellt, aber insgesamt braucht es noch einige Zeit, bis die ganze Anlage so richtig üppig ist. Nach einer kurzen Pause geht die Fahrt dann weiter nach Riga.

Das Abendessen ist nichts Außergewöhnliches, eine Salatvorspeise, Bœuf Stroganoff und Kartoffelbrei (naja) und als Nachtisch eine Art „Kalter Hund“. Wir verschwinden relativ bald ins Bett. In der Nacht vorher haben wir wegen der Aufregungen um das verlorene Portemonnaie etwas wenig Schlaf bekommen.

  1. Tag, Donnerstag, 10.06.2015: Riga – Altes und Neues

Das Zimmer ist eher optisch schön als funktional gestaltet, der Fön wie häufig etwas schwächlich, da nehmen wir lieber unseren eigenen. Über das Frühstück kann man nicht klagen, es ist gut und reichlich, diesmal gibt es auch Spiegeleier.

Am Vormittag wandern wir durch die Altstadt mit den Gildehäusern (unter anderen das restaurierte Schwarzhäupterhaus, ein mittelalterlicher Treffpunkt junger Kaufleute) und vorbei an vielen Kirchen und alten Häusern.

Im Dom bekommen wir ein kurzes Konzert auf der Walcker-Orgel zu hören. Sie ist eine der größten Orgeln Europas und ist vergleichbar mit der Orgel in Passau. Es ist ein sehr mächtiges Instrument mit einer Vielzahl unterschiedlichster Klangfarben.

Mit dem Omnibus überqueren wir dann den Fluss Daugava und fahren zu einem Viertel mit renovierten oder in Renovierung befindlichen Holzhäusern. In einem kurzen Vortrag informiert uns eine Kulturhistorikerin über das Projekt zur Renovierung von alten Holzhäusern in der Vorstadt von Riga. Sie berichtet auch, illustriert von alten Fotos, über die Holztransporte auf den Flüssen und über die zwei Brüder aus der Holzbranche, die die Rettung der alten Holzhäuser eingeleitet haben. Anschließend bekommen wir einen Imbiss mit Fleisch, Salzgurken, Wurst, Käse und Bier im Informationszentrum.

Die Rückfahrt zum Hotel findet mit Taxis in Kleingruppen statt, eines davon baut einen kleinen Unfall vor dem Hotel, zu dem sogar die Polizei gerufen wird.

Wir wandern noch durch die Stadt und besuchen eine der orthodoxen Kirche (sehr golden, mit vielen Ikonen, Frauen mit Kopftuch). Im alten Zollhaus trinken wir dann Kaffee und treffen dabei Familie Loose/Wagenbach. Das Abendessen besteht nur aus einem Glas Wein bzw. Bier, mehr geht wegen des üppigen Imbiss am Nachmittag nicht, dann relativ früh ins Bett.

  1. Tag, Donnerstag, 11.06.2015: Jugendstil in Riga

Nach einem guten Frühstück mit relativ wenigen Gästen (vielleicht weil wir etwas später dran sind) erfolgt der Abmarsch um 9:30 Uhr. Es geht zu den Jugendstil-Häusern. Wir bekommen etwas viel Kritik an dem nur in der Fassade erkennbaren Jugendstil zu hören, auch weil Fenster usw. nicht immer die entsprechende Form haben. Uns gefallen die vielen schönen Häuser. Außerdem ist das Wetter sehr gut. Bei einem Besuch in einer als Museum eingerichteten Jugendstil-Wohnung sehen wir recht nette Sachen aus der guten alten Zeit.

Zum Mittagessen soll es in ein Lokal mit Schweinebraten gehen. Wir verzichten aber und gehen lieber in die Alte Börse in eine Ausstellung „Lichter der Provence“ mit Bildern von Franz Marc und anderen. Einige Objekte von Picasso sind auch vorhanden. Das Mittagsessen besteht aus Kaffee und Kuchen (Es gibt Eclair!).

Zum Abendessen wollen wir im Jugendstilviertel in ein russisches Lokal „Traktori“. Dort findet aber eine geschlossene Gesellschaft statt. Deshalb gehen wir ums Eck in ein sehr elegantes Lokal mit einem jungen, gut deutsch sprechenden Kellner, der wie diCaprio aussieht. Das Essen ist toll: gegrillte Entenbrust mit Rhabarber bzw. Risotto mit grünem Spargel und zum Nachtisch Käsekuchen mit Fruchtmark bzw. Johannisbeer-Parfait.

Auf dem Rückweg zum Hotel treffen wir auf Holländer. Am nächsten Tag soll ein Länderspiel gegen Lettland stattfinden. An allen Ecken Musik (Gruppen, einzelne Sänger, im Lokal Rock ‚n Roll-Musik). Wir treffen die Familie Bold und reden erst lange auf der Straße miteinander, gehen dann doch gemeinsam in ein Lokal und trinken ein Glas. Um 24:00 Uhr ist dann endgültig Schluss.

  1. Tag, Freitag, 12.06.2015: Durch die Lettische Schweiz nach Tartu

Nach dem Frühstück machen wir einen kurzen Abstecher durch die Lettische Schweiz in das Tal der Gauia. Es ist ein Naturschutzgebiet mit einer Höhle mit Inschriften. In einer kurzen Wanderung sollen wir zum Fluss marschieren. Allerdings findet das ohne uns statt, da der RL zu schnell weggegangen ist und wir nicht genau wissen, wo es lang geht.

In Cesis besuchen wir die alte Burg des Deutschritterordens. Sie ist noch ein Ruine, allerdings im Wiederaufbau. Auch bei der Johanniskirche schauen wir vorbei.

Die Fahrt geht weiter zu einem Vorzeige-Bauernhof, der einige Kilometer entfernt ist. Wir sehen zu, wie Dachschindeln aus Espenholz mit einer Maschine aus der Stalin-Zeit gefertigt/geschnitten werden. Anschließend bietet uns die jüngste Tochter des Hauses eine kleine Musikvorführung. Als Dolmetscherin erklärt und übersetzt eine Deutsch-Lettin, Deutschlehrerin am Gymnasium der Nachbarstadt. Verköstigt werden wir mit Kartoffelpuffer, Lachs, Wurst, Salat, vielen Soßen und Honig und Marmeladen. Dazu gibt es Beerensaft oder Wasser, wer will kann sich eine der drei Biersorten aussuchen. Nach weiteren Musikstücken auf dem zitherartigen Instrument geht es dann zu einem Feuer, wo Stockbrot gebacken wird. Anschließende wird das Brot mit Honig und Nüssen gefüllt. Dazu gibt es Pfefferminztee und Kaffee.

Als wir wieder starten wollen, geht mit einem Riesenknall eine der Luftfedern am Bus kaputt. Glücklicherweise ist in Cesis die Zentrale Werkstatt von Setra für Lettland. Es dauert zwar etwas, aber dann kommt ein Reparaturtrupp mit dem richtigen Ersatzteil und macht den Bus wieder fahrtüchtig. Zu dritt wird mit schwerem Arbeitsgerät geschraubt. Nach ca. 1 ½ Stunden kann die Weiterfahrt losgehen.

Estland

Nach weiteren 95 km erreichen wir etwas verspätet Tartu. Deshalb geht es sofort zum Abendessen (Soljanka, Lammklopse mit Kartoffeln und Fruchtquark).

Da es noch hell ist (bis 23:00 Uhr) machen wir noch einen kleinen Rundgang und besuchen die Betonbücke, die als Ersatz für eine erst von den Sowjets, dann von den Deutschen gesprengte Brücke dient, und die Kirche.

  1. Tag, Samstag, 13.06.2015: Von Tartu nach Tallinn

Die Nacht ist leider sehr, sehr laut. Unter unserem Fenster zieht sich die Partymeile der örtlichen Jugend hin. Da es keine Sperrstunde gibt, geht das Remmidemmi bis um 6:00 Uhr früh, als der erste von uns aufsteht, sind die Abendgäste immer noch da.

Das Frühstück ist diesmal nicht allzu üppig, aber völlig ausreichend. Es gibt kleine Puffer, Lachs, Eier, Speck, Marmelade. Der Kaffee ist gut, der Orangensaft besser als im Hotel vorher.

Um 9:00 Uhr startet der Rundgang durch den Ort. Wir sehen einige schöne Häuser, die Universität und die Johannis-Kirche, die allerdings nur von außen, da sie gerade renoviert wird. Wir bekommen eine ½ Stunde frei. Ich gehe noch mal zur Kirche. Gegen eine Gebühr von 1,00 EUR darf ich in der Kirche fotografieren. Es ist ein recht nüchterner Backsteinbau (Wir sind im Bereich der Backsteingotik!) mit Orgel und Flügel, wird allerdings zurzeit nur als Konzertsaal genutzt.

Auf der Weiterfahrt Richtung Tallin durchqueren wir das Land nach Norden. Unterwegs machen wir eine kurze Pause beim Schloss in Sagadi. Dann geht es weiter zu einem Imbiss in einem alten Dorfkrug in Altja. Dort geht es etwas arg professionell zu, mehrere Gruppen werden gleichzeitig verköstigt, das Essen ist zwar sehr einheimisch, aber nicht so gut wie am Vortag auf dem Bauernhof. Es gibt auch keine großen Erklärungen. Zum Verdauen machen wir dann eine kurze Wanderung an die Ostsee. Wir schauen auf einige Felsen im Wasser und Schilf, zwei Schwäne schwimmen vorbei.

Weiter geht es zu einem kurzen Besuch im Schloss Palmse, einem recht netten Gebäude, klein aber mit allen möglichen Möbeln ausstaffiert. Man sieht Bilder von der Familie von Pahlen (dem ehemaligen Eisenbahn-Direktor von Estland, der auch gute Beziehungen zum Zaren hatte). Ein großer Autokorso bringt eine Hochzeitsgesellschaft, die bereits fröhlich im Café feiert, während das Brautpaar im Garten erst noch fotografiert wird.

Das Hotel in Tallin ist eine umgebaute Maschinenfabrik, sie schaut von außen recht urig aus, im Inneren aber sind die Zimmer ordentlich. Wir gehen mit dem RL noch kurz in die Altstadt, um einige Lokale fürs Abendessen gezeigt zu bekommen. Wir suchen uns mit dem Norweger, Loose/Wagenbach und Boldts das Peppersack aus. Das Bier ist zwar etwas dünn, Essen (Lachs, Käsekuchen, Schokoladekuchen, Kaffee) dafür aber gut. Es ist ein sehr lustiger Abend, wir lachen ständig über die Geschichten von Frau Boldt. Der „Tod“ kommt auch vorbei mit seiner Sense und holt sich ein Glas Bier an der Theke. Dann machen wir uns auf den Heimweg vorbei an den vielen Lokale (alle gut gefüllt mit trinkfesten Finnen auf Wochenendbesäufnis), zum Teil in sehr schönen Höfen.

  1. Tag, Montag, 14.06.2015: Talliner Geschichte(n)

Das Frühstück findet wieder um 8:00 Uhr statt, dann Abmarsch um 9:00 Uhr. Auf die Frage, warum es nicht später geht, erhalten wir eine etwas blöde Antwort vom RL. Erst später erklärt er uns, dass er befürchtet hat, dass zu viele Reisegruppen uns in der Stadt hemmen. Hat er sich wohl erst überlegen müssen.

Da wir am Vortag schon etwas vom Stadtzentrum gesehen haben, biegen wir in der Stadt gleich nach rechts ab zu den Befestigungsanlagen und hangeln uns nach oben entlang der Oberstadt mit Parlament und Dom. Der Besuch in der A.-Newski-Kathedrale ist sehr kurz, weil gerade ein Gottesdienst stattfindet. Es ist sehr beeindruckend, aber man kann sich nicht so frei bewegen. Wir wollen den Besuch am nächsten Tag wiederholen. Dann arbeiten wir uns langsam ins Zentrum der Altstadt vor. Allerdings fängt das Wetter an, etwas unangenehmer zu werden. Die Optiken der Kameras sind voll Wassertropfen, aus meinem Hut tropft das Wasser.

Nachdem die Gruppe sich um die Mittagszeit aufgelöst hat, gehen wir auf eigene Faust los. Wir suchen uns ein Café. Inzwischen regnet es recht kräftig und wir schauen immer, ob die Leute noch mit dem Regenschirm gehen.

Irgendwann laufen wir dann doch los. Wir besuchen die Nikolai-Kirche, nach ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde sie wiederaufgebaut und als Museum eingerichtet. Dort ist es etwas trockener und wärmer. Meinen Fotorucksack muss ich einsperren und da ich keine Euro-Münze habe (mit den letzten beiden habe ich die Dame an der Kasse glücklich gemacht) gibt mir die Aufsicht eine Beilagscheibe, die genauso funktioniert (bekommt sie anschließend wieder zurück!). Leider ist plötzlich das Objektiv im Inneren beschlagen und bekomme unheimliche Weichzeichner-Effekte. Nach einigem Hin und Her wird die Sicht wieder klar. Die Kirche ist heute ein Kunstmuseum. Nach einem Rundgang haben wir aber die Nase vom Regen voll und gehen ins Hotel und bleiben bis zum Abendessen.

Das Abendessen in einem für den RL neuen Lokal ist ganz gut (nachdem wir das Restaurant gefunden haben). RL bekommt auch sein Geschenk (obwohl er es eigentlich aufgrund seines Verhaltens nicht verdient). Vorher hat er uns jedem eine Schokolade geschenkt (wegen seines Zuspätkommens in Vilnius!). Den Abend beschließt der gemeinsame Rückmarsch der üblichen Verdächtigen und ein letzter Absacker in der Hotelbar.

  1. Tag, Montag, 15.06.2015: Adieu, Baltikum!

Heute nehmen wir Abschied vom Baltikum. Im Laufe des Tages Transfer zum Flughafen von Tallinn und individuelle Rückflüge.

Heute gehen wir etwas später zum Frühstück, wir haben ja Zeit bis 15:15 Uhr, erst dann holt uns der Bus zum Flughafen ab. Leider gibt es zwischendurch immer wieder Regenschauer, obwohl es laut Wetterbericht eigentlich ab 6:00 Uhr trocken sein sollte.

Wir stellen unsere Koffer in den Aufbewahrungsraum und laufen Richtung Dom los. Die Sonne ist zwar nicht zu sehen, aber die Wolken werden etwas lichter. Auf dem Weg nach oben suchen wir auch das Geschäft, das die Glas-Teile verkauft, die wir gesehen haben. Bei genauerer Betrachtung sind sie aber einerseits etwas teuer (ab 200,00 EUR aufwärts) und nicht so ganz nach unserem Geschmack.

Die Alexander-Newski-Kathedrale ist diesmal relativ leer, kein Gottesdienst. Prächtig ausgestattet, viele Ikonen, viel Gold. Auf dem Vorplatz und später in der Stadt treffen wir auf lange Schlangen von Menschen, alles Führungen, die von den Kreuzfahrer-Schiffen im Hafen stammen (AIDA). Das ist etwas lästig, weil man immer das Gefühl hat, gegen den Strom zu schwimmen. Allmählich wird es auch kälter und der Wind nimmt zu, deshalb beschließen wir, ins Hotel zurückzukehren, um Jacken und Schal zu holen.

Beim zweiten Anlauf bleibt es dann weitgehend trocken, die Sonne kommt auch immer wieder hervor, Wind und Kälte bleiben uns erhalten. Zum Mittagessen gehen wir in ein original Estländisches Lokal. Die Bedienungen laufen in Tracht herum, die Einrichtung ist recht urig. Wir essen nur eine Kleinigkeit (Fisch mit Kartoffeln) und steuern dann zum Nachtisch das Café Kalev an, das älteste Café der Stadt – richtig Wiener Gemütlichkeit. Der Kaffee ist wie auch der Kuchen sehr gut. Wir schauen uns das Tallinner Marzipan im Marzipanzimmer der Firma Kalev an. Auch unser Norweger findet sich ein, nachdem er ins Hotel zurückgeeilt war, um rechtzeitig seinen Koffer aus dem Zimmer zu räumen.

Schließlich gehen wir zurück und warten auf unsere Abholung. Der Bus kommt zwar etwas später als geplant, aber der Flughafen ist ganz nah und die Abfertigung flott. Diesmal werden alle ohne Unterschied mit dem Drogentest beglückt.

Nachtrag: 16.06.2015

Um 8:30 Uhr früh kommt ein Anruf mit einer langen Auslandsnummer. Es meldet sich das deutsche Konsulat in Vilnius (Wilna). Die junge Dame teilt mit, dass der Geldbeutel von der Polizei in Klaipèda ihnen zugesandt worden ist. Er war wohl in Nida – wo er verschwunden ist – bei der Polizeiaußenstelle gelandet. Es fehlt zwar das ganze Geld, aber Ausweise, Geldkarten, Bilder usw. sind alle da. Sie wird die Ausweise zum Einwohnermeldeamt in Nürnberg schicken (von dort bekommen wir dann Nachricht, wenn sie da sind) und EC-Karte und Kreditkarte gehen nach Karlsruhe (die EC-Karte kann wieder entsperrt werden, die Kreditkarte muss neu bestellt werden und kostet 10,00 EUR). Den Rest schickt sie uns per Einschreiben direkt, nur der Transport des Geldbeutels wäre zu teuer, soviel Geld hat die Botschaft nicht, der wird entsorgt. Netto bleibt also ein Verlust von ca. 250,00 EUR.

Nachtrag: 28.11.2015

Die Zusendung des nicht-offiziellen Inhalts des Geldbeutels hat trotz Post-Streik geklappt. Die Ausweise kamen ebenfalls, wenn auch stark verspätet, bei den Dienststellen an und wurden dort abgeholt. Nur die Bank hat es nicht hingekriegt, sowohl die Kreditkarte als auch die EC-Karte mussten neu bestellt werden.

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