Das Industriegut „Hammer“

Ungefähr eine Wegstunde, bevor die Pegnitz Nürnberg erreichte, befand sich bei Laufamholz die Mühlenanlage „Hammer“, aus der sich nach und nach ein Industriegut entwickelte. Im Jahre 1492 wurde dort erstmals urkundlich ein Messinghammer erwähnt. Den nötigen Antrieb lieferte die Mühle am Ufer der Pegnitz.

Die Lage vor den Toren der Stadt  hatte in früheren Jahrhunderten Vor- und Nachteile. Zwar reichten die Einschränkungen durch die städtischen Vorschriften nicht bis dorthin, jedoch fehlte der Schutz durch eine Stadtmauern. Das hatte beispielsweise zur Folge, dass im zweiten Markgrafenkrieg (1552) die Ansiedlung völlig zerstört wurde.

Industriesiedlung Hammer

Zugang zur Industriesiedlung

Sehr erfolgreich wieder aufgebaut wurde das Gut nach diesem Krieg durch die Familie Kanler, diesmal als Drahtzieherei. Von drei Seiten von einer Mauer umgeben (außer zur Flussseite hin) sollte der Betrieb besser vor Zerstörungen geschützt sein.

Das ehemalige Gut wuchs zu einer kleinen Ortschaft heran und umfasste gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein Herrenhaus, mehrere Arbeiterwohnungen, eine eigene Schule, eine Mahlmühle, ein Wirtshaus, Stallungen und wirtschaftliche Gebäude,  eine Glühhütte oder Schmelzkammer und ein Ofenhaus mit Brennofen.

In „Hammer“ wurden mit den wassergetriebenen Hämmern Bunt- und Edelmetallfolien hergestellt. Vor allem  die extrem dünnen Messingfolien von gerade einmal 0,02 Millimetern, die für die Dächer und Giebel von Tempeln verwendet wurden, gingen im Export bis nach Asien. Daher gab es Generalvertretungen in Kalkutta und Bombay. Im Jahre 1718 übernahm die Firma Johann Volkamer & Co. das Messingwerk. Der Obelisk mit ägyptischen Hieroglyphen in der Mitte des Dorfplatzes, der als Nachbildung eines Obelisken aus Konstantinopel kam, erinnert an die Geschäftsreisen des Werkseigners Johann Christoph Volckamer.  Dieser Sandstein-Obelisk stand zunächst im ehemaligen Volkamerschern Garten in Gostenhof und wurde später von der Familie von Forster in das Fabrikgut „Hammer“ geschafft.

Industriesiedlung Hammer

Sandstein-Obelisk aus dem ehemaligen Volkamerschern Garten in Gostenhof

Als Franken im Jahre 1806 Teil des Königreichs Bayern wurde, war das „Messing-  und Lahngoldwerk“ die größte vorindustrielle Produktionsstätte im Nürnberger Land.

Im Jahre 1814 ging das kleine Dorf an die mit den Volkamers verwandte Familie von Forster über. Zehn Jahre später bestand das Dorf aus zwölf Hauptgebäuden, in denen 144 Menschen lebten, die bereits sehr weitreichende Sozialleistungen genossen (Schule für die Arbeiterkinder, mietfreie Wohnung, Invaliditäts-, Alters-, Witwen-, Waisenrente). Im Gegenzug galten ähnlich strenge Vorschriften wie in Nürnberg: kein Verrat der Arbeitsgeheimnisse, kein Wechsel des Betriebs, kein Verlassen des Geländes ohne Erlaubnis des Besitzers, eigene Gerichtsbarkeit (nur für minderschwere Fälle). Die Schreibstube des Herrschaftsgerichts war in dem sog. Uhrenhaus untergebracht zusammen mit acht Wohnungen für Arbeiter.

Industriesiedlung Hammer

Uhrenhaus mit Treppenaufgängen (neu renoviert)

Die Familie von Forster errichtete auch ein Walzwerk, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts allerdings durch Turbinen und nicht mehr durch Mühlräder betrieben wurde, die noch bestehenden Hämmer wurden nacheinander ebenfalls zu Walzwerken umgebaut. Schließlich erlaubte die Einrichtung eines eigenen Stromnetzes auch die Versorgung von 76 Ortschaften bis zum Moritzberg mit Strom. Dieses Stromnetz übernahm 1930 das Fränkische Überlandwerk.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wiederaufbau des zerstörten Fabrikdorfs  als Industriebetrieb abgelehnt, da dort inzwischen ein Wasserschutzgebiet geplant war.  Die Gebäudereste wurden 1958 an die Energie- und Wasserversorgung AG (EWAG, jetzt N-ERGIE AG) verkauft. Seit 1977 steht „Hammer“ nach größeren Restaurierungsarbeiten als industriegeschichtliches Ensemble unter Denkmalschutz.

Heute wird die  Wasserkraft der Pegnitz an dieser Stelle nur noch von einem kleinen Flusskraftwerk zur Stromproduktion genutzt.

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