Die Mühlen am Sand

Sandmühle

Bereits seit dem 14. Jahrhundert gab es etwas außerhalb der damaligen Stadtbefestigung eine Mühlenanlage auf dem sandigen Nord-Ufer der Pegnitz. Ursprünglich gehörte die Mühle zum Katharinenkloster und ging dann Anfang des 15. Jahrhunderts in städtischen Besitz über. Mit 18 Rädern war es bereits damals eine sehr große Mühle, die dem Mahlen von Getreide und zur Tuch- und Lederbearbeitung diente. Sie ragte weit in den nördlichen Pegnitzarm an der kleinen Insel Schütt hinein und verengte den Wasserdurchfluss an dieser Stelle zusammen mit der gegenüber liegenden Rotschmiedsdrechselmühle stark, so dass die Mühlen im Stadtbereich erheblich weniger Wasser zur Verfügung hatten.

Brücken in Nürnberg

Agnesbrücke (Insel Schütt – Lorenzer Ufer)

Die große Menge an Wasserkraft ließ es zu, dass Anfang des 15. Jahrhunderts an einem Wasserrad durch Drahtzieher und Mühlenbauer erste Versuche zur mechanischen Herstellung von Grobdraht begonnen wurden, die zur Entwicklung des automatischen Drahtzugs (ab 1415)  führten. Dabei wurden die Rohdrähte nicht mehr durch Muskelkraft sondern mit Hilfe der Wasserkraft durch die Zieheisen gezogen. Diese Technologie wurde in Nürnberg lange Zeit streng gehütet, indem die Mühlräder in Einhausungen versteckt wurden, damit sie nicht ausspioniert werden konnten. Erst im 16. Jahrhundert durften Drahtzieher auch außerhalb Nürnbergs arbeiten.

Eine wichtige Aufgabe der Mahlmühlen war auch das Brechen von Malz für die Herstellung von Bier, das als relativ sauberes Getränk dem Grundwasser vorgezogen wurde. Allerdings war Alkoholgehalt und Reinheit mit den heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Es gab jedoch bereits Reinheits- und Qualitätsvorschriften (überwacht durch die sogenannten Kieser) mit zum Teil recht drakonischen Strafen bei Verstößen.

Im 18. Jahrhundert wurde eines der Mahlräder zu einer Prisillstoss-Mühle umgerüstet, mit der in den folgenden 100 Jahren Brasilholz für die Farbenherstellung pulverisiert wurde.

Im 19. Jahrhundert verschob sich wie bei allen Mühlen im Stadtgebiet der Schwerpunkt weg vom Mahlen zur Bereitstellung von Wasserkraft, die von unterschiedlichen Werkstätten oder Fabriken genutzt wurde (Kunstmühle, Glasschleifer, Christbaumfabrikant, Drahtzieher).

Der letzte Besitzer der Anlage hielt den Betrieb bis zum 2. Weltkrieg aufrecht und versuchte sogar nach der Zerstörung  1944 weiterzumachen. Im Rahmen eines Grundstückstausches verließ er schließlich das Grundstück. Heute ist nichts mehr vom ehemaligen Mühlengebäude übrig, die Adresse ist gelöscht.

Rotschmiedsdrechselmühle

Seit dem 16. Jahrhundert bestand gegenüber der Sandmühle auf dem nördlichen Ufer der Kleinen Insel Schütt eine Mühlenanlage zur Bearbeitung von Metallen. Diese Rotschmiedsdrechselmühle besaß bis zu 21 Mühlräder und gehörte der Stadt Nürnberg. Die Rotschmiedsdrechsler, die dort arbeiten wollten, mussten eine Einlage leisten und durften unter schwerster Strafandrohung das Geheimnis der Messingverarbeitung nicht verraten, ja nicht einmal die Arbeitsplätze einem Fremden zeigen. Ebenfalls in diesem Bereich befand sich eine Rotschmiede, in der das Rohmaterial gegossen wurde. Durch Drehen, Schleifen und Bohren wurden daraus dann Gebrauchsgegenstände hergestellt.

Die Ansiedlung dieser Gewerbe hatte den Grund, dass die Geruchs- und Lärmbelästigung, die von der Anlage ausging, in der Stadt zu groß gewesen wäre. Daher wurde diese Art von Betrieben außerhalb der Wohngebiete angesiedelt, allerdings zunächst ohne den Schutz der Stadtummauerung. Erst seit dem 16. Jahrhundert kamen durch die Erweiterung der Nürnbergs und dem Bau der letzten Stadtbefestigung die beiden Mühlenanlagen in den Schutz der Stadt.

Mühlen in Nürnberg

Ehemaliger Mühlenkanal (nach dem 2. Weltkrieg zugeschüttet) und Wehr

Ab dem 17. Jahrhundert trieben vier unterschlächtige Wasserräder über 30 Drehbänke an. Durch Feuer und Hochwasser wurden die Anlagen immer wieder zerstört und dann wieder aufgebaut und modernisiert. Das Rotschmieddrechselgewerbe verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung und andere Gewerbe arbeiteten in den Werkstätten (Zirkelschmiede, Reißzeugpolierer, Drechsler- und Holz- und Metallschneider). Als die gewerbliche Nutzung zurückging, wurden die Mühlen zunehmend zu Wohnungen. Dies führte allerdings zu Problemen zwischen den Bewohnern und den Besitzern der Werkstätten.

Der als Mühlenkanal ausgestaltete nördlichste Arm der Pegnitz zwischen den beiden Mühlen wurde nach dem Krieg aufgeschüttet, das gesamte Viertel umgestaltet. Heute steht dort unter anderem das Mensagebäude der Universität.


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