Kettensteg

Der Kettensteg in Nürnberg

Innerhalb der Westtormauer führte bei der Frohnveste seit dem Ende des 15. Jahrhunderts ein Holzsteg über die Pegnitz, der bereits auf einer Federzeichnung von Albrecht Dürer abgebildet ist. Er bildete einen bedeckten Gang und hieß „Trockensteg“ oder „Truckensteg“ oder „Trutensteg“, weil man auf ihm trocken oder trucken gehen konnte. Der schmale Steg diente von Anbeginn an ausschließlich dem Fußgängerverkehr und besaß an beiden Enden Türen, die in der Nacht geschlossen wurden. Später hieß der Steg auch „Steg am Irrertörlein“ oder „Steg beim Hallertörlein“, da er in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Tor in der Stadtmauer lag. Dieser Fußgängerdurchlass hieß Irrertor wegen nahe gelegenen Arbeitsstätten der Weißgerber oder Irrer. Der Name Hallertörlein kommt von der außerhalb der Stadt gelegenen Hallerwiese, auf die das Tor mündete.

Brücken in Nürnberg

Kettensteg (Lorenzer Ufer – Sebalder Ufer)

Der Holzsteg über die Pegnitz wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch eine Brückenkonstruktion ersetzt, die zur damaligen Zeit eine technische Pionierleistung darstellte. An Ketten hängend und in der Mitte nur durch einen Pfeiler gestützt überbrückt der neue, über 80 m lange Steg die Pegnitz und ist die älteste erhaltene eiserne Kettenbrücke Kontinentaleuropas. Geplant und gebaut wurde die Brücke von dem Mechaniker Konrad Georg Kuppler, der später Professor an der Polytechnischen Schule in Nürnberg wurde. Diese erste frei schwebende Metallbrücke mit über 400 Holzbohlen wurde am 31.12.1824 eröffnet.

Die drei Pylonen, die die Brücke tragen, waren ursprünglich aus Eichenholz. Nach schweren Beschädigungen durch Hochwasser mussten sie Anfang des 20. Jahrhunderts durch die heute noch vorhandenen Stahlstützen ersetzt werden. Allerdings war der Kettensteg durch seine Konstruktion sehr schwingungsanfällig, so dass es 1927 in einem Polizeierlass hieß: „Das Befahren des Kettenstegs mit Fahrzeugen aller Art ist verboten. Ferner sind alle Handlungen verboten, durch die der Steg in erhöhte Schwingungen versetzt werden kann, insbesondere Schaukeln, Gehen im Gleichschritt und Springen.“. Durch einige Einbauten (Holzstützen, seitliche Eisenträger) wurde zwar das Risiko vermindert, die Brücke verlor allerdings ihre Eigenschaft als Schwebebrücke.

Brücken in Nürnberg

Kettensteg (Lorenzer Ufer – Sebalder Ufer)

Ein geplanter Abriss in der Zeit des Nationalsozialismus („die Brücke ist ein Bruch im historischen Stadtbild, dies muss im Rahmen einer Entschandelung bereinigt werden“) wurde durch den Kriegsausbruch verhindert. Das Provisorium mit den Einbauten überdauerte 80 Jahre und selbst den Krieg. Dann reichte die Standsicherheit der provisorischen Stützen nicht mehr. Der Henkersteg wurde in seinem Originalzustand als freitragende Hängebrücke wiederhergestellt, lediglich gegen die Schwingungsanfälligkeit wurden einige kaum sichtbare Vorkehrungen getroffen. Seit Ende 2010 steht der Henkersteg als Fußgängerbrücke über die beiden Pegnitzarme wieder zur Verfügung.

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