Kleinweidenmühle

An der Frohnveste verlässt die Pegnitz die Stadt und fließt entlang der Hallerwiese zu den Weidenmühlen. Auf der Lorenzer Seite stand die Kleinweidenmühle, eine Mahlmühle, die im Laufe der Jahre durch verschiedene Gewerke erweitert wurde. Im 13. Jahrhundert wurde sie erstmals urkundlich erwähnt, als König Heinrich sie dem Ritterorden der Deutschherrn schenkte. Nachdem es mit der Stadt Nürnberg Unstimmigkeiten in Bezug auf Wasserrechte und Eigentumsansprüche an diesem Pegnitzabschnitt gegeben hatte, wurde der Mühlenkomplex gegen Mitte des 15. Jahrhunderts von der Stadt aufgekauft.

Über ein Jahrhundert lang wurde neben der Mahlmühle weitere „Mühlen“ betrieben, eine Schermessermühle, ein Messing- und ein Zainhammer und ein Schleifrad. Als Endres Örtel Mitte des 16. Jahrhunderts die Mühle übernahm, richtete er an Stelle der Schleife eine Papiermühle ein. Nach ihrem Besitzer hieß die Mühlenanlage daher Zeit „Örtelsche Weidenmühle“. Die Qualität des Papiers war so gut, dass die Stadt an den Papierer besondere Privilegien verlieh. Er konnte das Stadtwappen als Wasserzeichen nutzen und durfte sein Papierrad Tag und Nacht laufen lassen. Lange Zeit war er ausschließlicher Lieferant für das Schreibpapier des Rates und für die Kanzlei der Stadt, dafür hatte er das Lumpenprivileg, d.h. er durfte als einziger in der Stadt weiße Lumpen für die Papierherstellung sammeln lassen. Später wurde die Mühle um ein weiteres Papierrad erweitert.

Im Laufe der Zeit erlitt die Mühlenlage immer wieder Beschädigungen und Zerstörungen durch Hochwasser und Kriege, konnte aber bis ins 20. Jahrhundert in unterschiedlicher Weise funktionsfähig gehalten werden. Im 19. Jahrhundert wurde die an  die Papiermühle angeschlossene Kornmühle als Kunstmühle ohne Wasserantrieb umgerüstet. Die Wasserkraft der verbliebenen Räder nutzten verschiedene Fabriken (Patentstift-Herstellung, Zinnfolienhammer, Metallzieherei, Galvanische Anstalt, Münzpräge).

Mühlen in Nürnberg

Das ehemalige Gesindehaus der Örtelschen Weidenmühle oder Kleinweidenmühle

Luftangriffe im 2. Weltkrieg beschädigten den gesamten Gebäudekomplex allerdings schwer, die Wasserbauten wurden komplett zerstört.  Nach dem Krieg ließ die Stadt Nürnberg das Wehr und den Großweidenmühlsteg erneuern, nachdem sie die Wasserrechte abgelöst hatte. Nach dem Auszug des letzten Besitzers wurde die Mahlmühle dann abgerissen. Das Gebäude der Papiermühle, mit Kleingewerbe und Wohnungen, und das hervorragend restaurierte, ehemalige Gesindehaus findet man heute noch an der Pegnitz.

Bilder: Mühlen in Nürnberg

Hinweis: Mühlenarten in Nürnberg


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.