Mühlenarzt oder Mühlenbauer

Mühlenarzt, Kunst-Meister oder in späterer Zeit Mechaniker nannte man im Mittelalter Menschen, die Mühlen bauten oder reparierten. Man kennt für sie auch die Bezeichnungen Mühlenpächter, Mühlmacher oder Mühlenmeister. In Nürnberg sehr bekannt war der Mühlenarzt und Mechanikus Wilhelm Spaeth, nach dem sogar eine Straße benannt ist.

Im ständigen im Kontakt mit Wasser, bedroht von Eisgang oder Überschwemmungen waren die Wassermühlen stark beansprucht. Die Mühlräder und Getriebe hatten einen großen Verschleiß und mussten oft repariert werden. Manches konnte der Mühlenbesitzer (oft auch Mühlenbauer) oder der Müller selbst erneuern. Wenn irgendwo mal wieder ein Zahnrad defekt war, musste man sich jedoch von sogenannten „Mühlenärzten“ helfen lassen. Das waren Handwerker, die Wartung und Reparaturen an den Antriebs- und Mahlvorrichtungen der Mühlen vornahmen. Als mühlenkundige Spezialisten waren sie angesehene Fachleute in ganz unterschiedlichen Bereichen: Zimmermann, Tischler, Ingenieur, Müller und Baumeister in einem. Das Leben der Mühlenärzte war nicht immer einfach, sie mussten oftmals in den großen, nassen Holzkonstruktionen der Wasserräder klettern, die sich dazu noch bewegten. Die Arbeit an den Wasserrädern führte daher relativ häufig zu schweren Unfällen.

Ein wichtiger Werkstoff eines Mühlenarztes war Holz. Es wurde verwendet für Wasserradwellen und Antriebe, aber auch für die Inneneinrichtungen der Mühle. Daher lauteten manchmal die Berufsbezeichnungen Zimmermann oder Schreiner. Doch genauso wichtig war die Arbeit mit dem Werkstoff Stein beim Einbau oder Nachschärfen von Mühlsteinen. Fertigkeiten in der Metallverarbeitung waren gefragt, wenn es um die Bearbeitung von Wellen und Beschlägen ging. Für den Neubau oder für Ergänzungen von Mühlenanlagen waren zudem Kenntnisse in der Statik und im Maschinenbau wichtig: Es waren die Maschinenbau-Ingenieure der vorindustriellen Zeit. Wegen der Vielfalt der Aufgaben waren die Mühlenärzte keiner eigenen Zunft zugeordnet. Sie reisten meistviel und waren daher die klassischen Wanderarbeiter.

 


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