Sizilien 2016 (II)

Städte wie Syrakus und Palermo, Tempel und Theater aus griechischer und römischer Zeit in Agrigent und Segesta, Mosaiken aus unterschiedlichen Epochen  oder der Ätna, eine Rundreise auf der größten Mittelmeerinsel Sizilien bietet für jeden Geschmack etwas. Wenn dazu im Frühling noch die Pflanzenwelt sich von ihrer buntesten Seite zeigt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Teil II: Von Palermo nach Taormina

23.03.2016: Palermo und Monreale

Das Wetter ist heute nicht so gut, in der Nacht hat es geregnet. Frühstück findet im 4. Stock statt, d.h. erst müssen wir den Aufzug in den dritten Stock nehmen, dann geht es  weiter die Treppe hoch aufs Dach. Der Frühstücksraum ist ein Teil der Dachterrasse, als Schutz gegen den Regen oben mit Sonnenschutzrollos  und gegen den Wind rundum mit Plastikfenstern. Von hier aus hat man eine tolle Fernsicht. Bei Sonnenschein wäre das sicher toll, heute aber regnet‘s und stürmt‘s.

Qualitativ ist das Frühstück naja, kleine Brötchen, irgendwie alles eher bescheiden, Kaffee und warme Milch aus dem Spender, O-Saft und Ananas-Saft aus der Thermoskanne, Wurst, Käse Standard, viele Kuchen. Es sieht so aus, als ob einige junge Menschen das Hotel erst übernommen haben und anfangen mit dem Betrieb – einiges müssen sie noch lernen.

Abfahrt zur Stadtbesichtigung ist um 8:30 Uhr. Zunächst verschafft uns eine kleine Rundfahrt eine gewisse Orientierung, dann geht es zum Dom. Sehr beeindruckend sind die Gräber von Heinrich VI, Friedrich II und Roger II. Überall sind sehr schöne Mosaiken.

Sizilien (Italien)

Maqueda-Innenhof des Normannenpalasts (Palermo)

Dann geht es weiter zur Capella Palatina (Pfalzkapelle). Wir haben das Glück praktisch alleine zu sein, erst später kommt noch eine weitere Gruppe. Auch hier findet wieder mal eine intensive Sicherheitsüberprüfung statt. Die Mosaiken sind überwältigend, die Mosaikbilder mit unheimlich viel Gold. Wir bekommen anhand der Bilder sozusagen einen Kurzdurchgang durch die Bibel. Der RL schafft dazu nebenbei viele Verbindungen zu den zeitgleich lebenden anderen Völkern und Religionen.

Wir laufen einige Schritte durch die engen Straßen Palermos und besuchen in der Nachbarschaft das älteste Kirchengebäude Palermos im arabisch-normannischen Stil, San Giovanni degli  Eremiti.

Weiter geht es dann zum Normannendom. Im Inneren sind wieder wieder Mosaiken.

Vor der Mittagspause in einem kleinen Café kommen wir an einem Kunstgewerbegässchen vorbei. Dort fertigt ein älterer Italiener Holzeinlegearbeiten. Wir schauen uns etwas um und er erklärt uns die Herstellung. Eine Arbeit gefällt uns so gut, dass wir sie für 75,00 EUR kaufen. Das Mittagessen ist auch etwas teuer, da das Walderdbeertörtchen alleine 7,00 EUR kostet.

Sizilien (Italien)

Monreale – Blick auf die Kirche

Am Nachmittag steht die Fahrt nach Monreale an. Allerdings wird das Wetter immer schlechter. Die wunderschöne Kreuzgang und die Kirche bieten zwar etwas Schutz, aber bis wir zum Bus zurückkommen, sind wir total durchnässt. Wir verzichten deshalb auf den geplanten Besuch im Puppenmuseum und trocknen lieber uns und unsere Kleider. Später wollen wir aber nochmal in das Lokal vom Vortag gehen, hoffentlich bessert sich das Wetter etwas.

Am Abend ist es trocken, wir können zu dem Lokal gehen. Es ist schon wieder ein Tisch im Hinterzimmer gedeckt und so nach und nach kommt eine kleine Gesellschaft. Wir sind diesmal auch nicht alleine, drei Italiener, drei junge Mädchen und ein französisches Paar sind da. Wir suchen uns in der Küche je einen Fisch aus, dazu gibt es einen Antipasti-Teller für zwei (eigentlich drei Teller), Bier, Weißwein, die guten Brötchen und zum Abschluss ein Stück Pistazienkuchen, pappsüß aber gut, mit einem Espresso. Das Ganze ist allerdings nicht ganz billig, alleine die beiden Fische kosten 50,00 EUR, aber als Geburtstagsessen oder Fast-Abschlussessen (die beiden letzten Abendessen bekommen wir wieder im Hotel) geht das in Ordnung.

In der Nacht kommen noch ein paar Regenschauer, aber die Wolken verziehen sich bis zum Morgen.

24.03.2016: Cefalù und die Nordküste

Das Frühstück ist wie gehabt. Da das Wetter besser ist, können wir noch auf die oberste Dachterrasse mit einem kleinen Schwimmbad hochgehen. Mat hat von dort einen wunderbaren Blick auf die Stadt.

Die Abfahrt ist wieder um 9:00 Uhr, es geht nach Cefalù, ca. 150 km auf der Autobahn mit einer kleinen Unterbrechung als Pause (Coffee-in/Coffee-out).

In Cefalù genießen wir zunächst den Blick auf Stadt und Dom von einer Aussichtsstelle oberhalb der Stadt, dann rollen wir weiter. Der Bus muss auf einem Parkplatz etwas außerhalb bleiben, wir laufen die letzten 400 m rein. Zuerst gehen wir in den Gartenteil hinter dem Dom, vorbei an einem „Künstler“, der Fundsteine verschönt, um die Außenfassade zu betrachten, dann geht es in den Dom. Dort findet gerade eine Messe mit dem Erzbischof und großem Gefolge statt – es ist Gründonnerstag. Das Ende des Abendmahls, den Segen und den Auszug von Chor, Priestern und dem Erzbischof bekommen wir noch mit, dann leert sich die Kirche recht schnell und wir können uns alles in Ruhe anschauen. Die Fenster sind zwar neu, aber sehr geschickt farblich angepasst.

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Astronomische Uhr in Messina

Das versprochene Eis fällt zunächst aus, da die besonders gute Eisdiele am Hafen geschlossen ist. Das wird auf dem Domplatz nach der Mittagspause nachgeholt. Dann geht es weiter nach Messina. Nach einer kurzen Rundsicht von oben fahren wir dann in die Stadt rein. Der Dom ist sehr finster. Er wurde nach Zerstörungen durch Erdbeben wieder aufgebaut. Man sieht die bekannten Mosaikbilder von Jesus und Maria, nach den vielen anderen, sehr ähnlichen Beispielen aus den anderen Domen sind es inzwischen gute Bekannte.

Wir fahren dann weiter nach Giardini-Naxos, einem Ort nahe bei Taormina. Das Hotel ist etwas älter, aber recht schön. Unser WC streikt gleich mal bei unserer Ankunft, auf unseren Hinweis rennt der RL gleich zur Rezeption und Minuten später ist jemand da, der repariert – scheint wieder in Ordnung zu sein.

Das Abendessen besteht aus Rigatoni á la Norma, Kaninchen mit Blumenkohl und einem Stück Fruchtkuchen mit Pudding. Die Getränke sind relativ teuer: Bier, ½ Liter Wein, Mineralwasser 26,00 EUR.

25.03.2016: Ätna und Taormina

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Die Spitze des Ätna (?)

Die Fahrt zum Ätna steht leider unter keinem guten Stern, das Wetter ist recht schlecht, früh regnet es zunächst, bei der Auffahrt geraten wir dann in Nebel. Am Endpunkt, dem Busparkplatz auf ca. 2000m Höhe, ist nur wenig zu sehen, wir fahren trotzdem mit der Seilbahn hoch. Allerdings können wir nicht mit Jeeps oder Bussen weiter in die Nähe des Gipfels. Bei diesem Wetter werden keine Fahrten angeboten. Hier ist es zwar wärmer als weiter unten, aber viel Nebel wechselt ab und zu mit etwas klarer Sicht. Wir gehen zu Fuß bis auf eine Höhe von 2500,00 Meter, dann fahren wir wieder nach unten. Wir laufen zwar zu den Silvestri-Kratern von Ende des 19. Jahrhunderts,  aber man kann auch dort durch den Nebel kaum etwas sehen.

Dann geht es nach Taormina. Zunächst bekommen wir in Giarre ein Mittagessen in einem kleinen Agriturismo, das Essen ist hervorragend, zuerst Caponata und kleine Vorspeisenteller, dann Rigatoni á la Norma, dazu Rotwein und Wasser, alles sehr gut –besser als in manchem unserer Hotels. In Taormina laufen wir bei schönem Wetter vom Bus-Parkplatz am Apollon-Tempel vorbei zum Antiken Stadion. Dort bekommen wir noch ein letztes Mal die verschiedenen Bauperioden und Unterschiede zwischen griechischen und römischen Theaterbaustilen erläutert. Ein Blick auf den Ätna ist wieder nicht möglich, da er jetzt völlig von Wolken verhüllt ist. Zurück mit Bus geht es ins Hotel zum letzten Abendessen.

Vor dem Speisesaal steht diesmal eine größere Menschenmenge an. Inzwischen ist nämlich auch eine Studiosus-Gruppe eingetroffen. Es gibt Nudeln mit Ragout, Kabeljau und ein Stück Erdbeerkuchen als Nachtisch, alles schmeckt recht gut.

Anschließend finden die Verabschiedungen statt, da ein Teil der Mitfahrer bereits früh um 5:15 Uhr abgeholt wird (Wecken 4:45 Uhr, kein Frühstück!).

26.03.2016: Rückreise

Das Aufstehen ist diesmal sehr gemütlich um 7:45 Uhr. Heute haben wir viel Zeit, wir werden ja erst um 12:15 Uhr abgeholt.

Nachdem die Koffer fertiggepackt im Kofferraum stehen, machen wir einen kleinen Rundgang durch die Umgebung. Es ist wenig los, die Lokale sind zwar offen, aber leer, einige Kellner stehen etwas verloren herum. Am Meer gibt sich der Strand eher „portugiesisch“, d.h. nicht sehr sauber, keine Einrichtungen, es ist wahrscheinlich der öffentliche Hundestrand. Der Ätna ist auch heute wieder von Wolken eingehüllt.

Zum Abholungstermin um die Mittagszeit sind alle Mitfahrer da, nur kein Bus ist zu sehen, der uns mitnehmen könnte. Nach einer guten halben Stunde kommt dann von der Hotelrezeption die Information, der Bus hat Verspätung. Schließlich braust er mit einer jungen Dame als Fahrerin heran. Wir werden verladen und dann donnert unser Bus los, als ob er die Zeit wieder einholen will. Wir kommen gut durch und der Zeitverlust ist nicht mehr so groß.

Am Flughafen ist viel Betrieb, aber die Kontrollen sind normal (mal wieder Test auf Sprengstoff oder Drogen in meiner Kameratasche), die piepsenden Endoprothesen bekommen zusätzlich eine Sonderbehandlung, aber es geht relativ flott. Im Wartebereich treffen wir wieder auf unsere Radfahrer vom Herflug. Die hatten Pech mit dem Hotel, war als 5* gebucht, hätte nach ihrer Ansicht aber höchsten einem Stern verdient (kein Service usw.). Geradelt sind sie über 600 km in der Woche. Eigentlich hätten wir keine so große Eile bei der Fahrt zum Flughafen gehabt, denn inzwischen sind wir bereits mehr als 45 Minuten über dem geplanten Starttermin, bevor das Boarding sich überhaupt so langsam in Gang setzt.

Beim Einsteigen ins Flugzeug sehen wir, dass jemand auf unseren Plätzen sitzt und keinesfalls wegzugehen geneigt ist (älteres, italienisches Ehepaar, etwas griesgrämig). Es stellt sich schnell heraus, dass beim Online-Check-in offensichtlich sechs Sitze doppelt vergeben wurden. Die beiden Sitze neben dem Notausstieg sind frei und wir setzen uns erstmal vorläufig hin. Dann findet der Purser vier freie Plätze hinten für die anderen Passagiere, wir können sitzen bleiben und haben dadurch wunderbar viel Beinfreiheit. Mein neuer Kamera-Koffer hat genau die Größe, dass er in das Fach oben reinpasst. Allerdings ist direkt über uns kein Platz mehr, deshalb muss ich bei der Landung einige Plätze nach hinten spurten gegen den Strom. Die Koffer kommen diesmal sogar sehr schnell und dann beginnt das Abenteuer Heimfahrt.

Zusammen mit einem Paar aus Augsburg fahren wir mit der nächsten S-Bahn zum Stuttgarter Bahnhof. Unterwegs stellen wir fest, dass wir eventuell einen TGV nach München erreichen können, dann wären wir sehr viel eher zuhause, aber die Umsteigezeit ist sehr knapp. Am Bahnhof also in Höchstgeschwindigkeit Richtung Bahnsteig – das ist aber leider eine recht große Strecke, denn der Bahnhof wird gerade umgebaut und der TGV fährt auf dem allerletzten Bahnsteig ab. Mit hängender Zunge kommen wir an, der Zug hat etwas Verspätung, er ist noch da. Dann muss allerdings noch geklärt werden, ob wir mit unseren Karten überhaupt fahren dürfen – das geht – deshalb rein in den Zug, die Türen gehen zu und wir fahren mit. Beim zweiten Halt (das hat uns die Bahn-App verraten) steigen wir in den Regionalexpress nach Nürnberg um, wir ersparen uns damit den Umweg über München. Nur zwei Zwischenstopps später erreichen wir Nürnberg und sind mit der U-Bahn noch vor Mitternacht zuhause.

Sizilien 2016 – Erster Teil

Bilder: Von Palermo nach Taormina


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