Sizilien 2016 (I)

Städte wie Syrakus und Palermo, Tempel und Theater aus griechischer und römischer Zeit in Agrigent und Segesta, Mosaiken aus unterschiedlichen Epochen  oder der Ätna, eine Rundreise auf der größten Mittelmeerinsel Sizilien bietet für jeden Geschmack etwas. Wenn dazu im Frühling noch die Pflanzenwelt sich von ihrer buntesten Seite zeigt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Teil I: Von Catania nach Segesta

19.03.2016: Catania

Der Urlaub beginnt mit Wecken um 5:00 Uhr, denn der Zug nach Stuttgart geht bereits um 6:28 Uhr vom Hauptbahnhof. Die Alternative wäre ein Flug mit Umsteigen nach Rom gewesen und Weiterflug nach Catania gewesen. Aber ein Aufenthalt auf dem römischen Flughafen hat uns dann doch nicht so begeistert. Wir kommen wie gewünscht weg und fahren gemütlich – gemüüüütlich – Richtung Stuttgart. An jedem Scheunentor wird gehalten Dazwischen sind dann noch Aufenthalte von 10 bis 15  Minuten eingeschoben.

Endlich in Stuttgart angekommen findet dann im Flughafen wieder die übliche Sicherheitsprozedur statt. Diesmal eine neue Variante. Alle Fotogeräte müssen in eine der obligatorischen Plastikwannen gelegt werden  – ohne besondere Aufsicht!??? Wir stehen inzwischen im Nacktscanner. Als ich rauskomme, werde ich zu meiner Tasche geholt. Es gibt wieder was Neues: eine junge Dame sucht in meiner Tasche nach zwei Gegenständen, die sie auf dem Bildschirm nicht identifizieren kann. Es sind das Objektivputzset und ein Minischrauberset für die Objektive. Als die Teile gefunden und in Augenschein genommen sind, heißt es schließlich alles wieder einpacken und durch. Wir genehmigen uns ein Frühstück mit Kaffee und Schinkensandwich bzw. Schokohörnchen, dann startet der Flug nach Catania. Der Flieger ist total überfüllt: es fällt uns erst jetzt ein, dass ja erster Tag der Osterferien ist. Meine Kameratasche muss deshalb auch in den Gepäckraum (nur mit sehr großem Bauchgrimmen).

Mit uns fliegt ein lockeres Völkchen aus Fahrradfahrern, Golfern und einigen, die wir praktisch schon als zukünftige Mitreisende identifizieren können. Der Flug selber verläuft recht angenehm, Getränke, süße oder salzige Snacks (Prinzenröllchen, Keks) und schließlich saubere Landung, die man fast nicht merkt. Am Gepäckband – oh Wunder – taucht meine Kameratasche als eines der ersten Gepäckstücke auf, der Rest kommt aber auch recht schnell. Draußen werden wir abgeholt und mit dem Bus in ein NH-Hotel gebracht. Unser Zimmer mit der Nummer 930 ist ganz oben. Es ist nicht sehr groß, aber zweckmäßig eingerichtet mit einer schönen Dusche.

Allgemeiner Treffpunkt ist um 18:00 Uhr in der Hotelhalle. Nach einer allgemeinen Einführung und einigen weiteren Informationen folgt eine kurze Vorstellungsrunde.

Um 20:00 Uhr gibt es dann Abendessen, wir sind ja in Italien: kurze Röhrennudeln mit Tomatensoße als Vorspeise, dann Involtini mit Spinat und zum Nachtisch Cannoli (frittierte Teigrollen mit Ricotta), etwas pappig und süß und recht schwer.

20.03.2016: Syrakus

Das Frühstück ist reichlich und gut, es gibt viele Sorten Kaffee (d.h. Espresso mit unterschiedlichen Mengen Wasser und Milch) und eine reiche Auswahl an Obst und Gebäck

Die Abfahrt nach Syrakus startet um 9:00 Uhr. Unterwegs haben wir einen wunderbaren Blick auf den verschneiten Ätna.

In Syrakus geht es dann zum Archäologischen Park mit dem griechischen Theater und zu den angrenzenden Steinbrüchen. Wir kommen beim „Ohr des Dionys“ vorbei, einer Höhle mit hervorragender Akustik. Außen blühen überall bereits viele Pflanzen. Unterwegs sehen wir Falsche Mimosen (Akazien) in voller Blüte oder zumindest kurz vor der Blüte. An den Orangen- und Zitronenbäumen hängen Früchte, zum Teil sind bereits die ersten Blüten wieder zu offen.

Am römischen Amphitheater bekommen wir dann eine kurze, aber eher drastische  Einführung in die Grausamkeiten der Römischen Spiele vermittelt.

Durch ein kleines Missverständnis trifft der Bus für die Rückfahrt erst um 30 Minuten verspätet ein. Der RL hatte sein Handy im Bus vergessen und deshalb den Fahrer nicht erreichen können. Auf einen Anruf von meinem Handy aus hatte der Fahrer nicht reagiert, er hatte das Klingeln des RL-Handys in dessen Rucksack nicht mitbekommen. Als Ausgleich gibt es einen Cappuccino für alle.

Sizilien (Italien)Zurück in der Stadt machen wir einen Rundgang zum Dom und zur Arethusa-Quelle. Die Mittagspause gestalten wir für uns alleine am Archimedes-Platz mit dem Artemis-Brunnen.

Am Nachmittag fahren wir zurück nach Catania und besichtigen den Dom und bekommen die verschiedenen Bau-Phasen (griechisch, römisch, normannisch, christlich) gezeigt. Daran schließt sich ein Gang durch die Gassen der  Dom-Umgebung zur Staufer-Burg an.

Eigentlich wollten wir ursprünglich gleich in der Stadt bleiben. Doch dann lassen wir uns doch mit dem Bus zum Hotel zurückfahren, um uns etwas wärmer anzuziehen. Am Abend wird es doch etwas frisch. Wir haben uns zwei Plätze in einer Pizzeria in der Nähe des Doms reservieren lassen. Dorthin gehen wir zum Abendessen. Die Straßen sind mächtig voll von flanierenden Italienern, so dass wir fast zu spät kommen. Das Lokal selbst ist klein, gleich hinter dem Quellbrunnen Fontana dell’Amenano mit einer Marmor-Statue. Jetzt in der Nacht ist er sehr schön beleuchtet und dadurch viel besser zu sehen als am Tag. Als Vorspeise nehmen wir Bruschetta, dann gibt es Schwertfisch gegrillt bzw. Spaghetti im Tintenfisch-Sud (schön schwarz), dazu einen halben Liter Hauswein. Das kostet zusammen 53 Euro (Fisch ist teuer), allerdings nimmt man keine Karten, wir müssen hier bar bezahlen.

Der Nachhauseweg soll noch einen kleinen Nachtisch bringen. Zwar sind die Straßen nicht mehr so bevölkert wie am Hinweg, allerdings machen die Cafés auch zu, so dass wir ohne Nachtisch ins Hotel zurück müssen.

In der Nacht startet wieder der leichte Kampf um die einzige Bettdecke, aber die Betten selbst sind ganz ordentlich und wir können einigermaßen gut schlafen.

21.03.2016: Über Piazza Armerina nach Agrigent

Das Frühstück ist sehr umfangreich, Obst, Salate, Käse, Wurst, Eier, unterschiedliche Hörnchen. Der Kaffee schmeckt sehr gut, allerdings bringt ihn die Maschine recht langsam hervor.

Sizilien (Italien)Nach dem Frühstück und Einladen der Koffer (10 Minuten vor der Zeit, die Gruppe ist wie auch an den weiteren Tage superpünktlich, richtig deutsch) startet eine Fahrt von ca. 2 Stunden durch das Landesinnere nach Piazza Armerina, Von dort geht es noch einige Kilometer zur Villa Romana del Casale. Wir sehen sehr beeindruckende Mosaiken, der ganze Komplex wurde in den letzten Jahren hervorragend wieder aufgebaut mit Ergänzungen, die den Grundaufbau gut erkennen lassen. Leider gibt es etwas viele Japaner, die sich nicht so genau an die Regeln halten. Der RL allerdings kann hier wieder in allen Superlativen schwelgen und vermittelt dabei äußerst interessante Einblicke in das römische Familienleben.

Wir gestalten unsere eigene Mittagspause in Piazza Armerina in einem kleinen Park zwischen den Straßen. Es gibt Panino mit Schinken und die letzten Erdbeeren vom Markttag. Zum Abschluss noch ein Espresso für einen Euro, damit wir ohne Skrupel die Toilette benutzen können.

Die Fahrt geht weiter nach Agrigent. Am Eingang zum Tempelbereich müssen wir durch eine Kontrolle wie bei einem Flughafen, allerdings kontrolliert nur ein Mann und der ist sich seiner Würde durchaus bewusst. Gefunden hätte er sowieso nichts, weil er trotz seiner „Wichtigkeit“ nur sehr oberflächlich kontrolliert. Leider wird es bereits recht früh dunkel, weil Wolken die Sonne etwas bedecken, so dass nach einer ausführlichen Einführung über Tempelkulte allgemein und in Griechenland insbesondere das Licht zum Fotografieren langsam nachlässt. Ab und an kommt die Sonne nochmal etwas durch, so dass letztlich auch die Fotografen einigermaßen zufrieden sind.

Unser Unterkunft für die Nacht in Villagio Mosé ist nicht besonders, mit uns im Hotel ist auch eine große amerikanische Jugendlichen-Guppe, die recht viel Lärm produziert, obwohl die Begleiter versuchen etwas dämpfend einzugreifen. Zum Abendessen gibt es Pasta mit Ragout, schon wieder Spada, diesmal allerdings mit Panade (was die Sache nicht verbessert) und Cassata mit Krokant. Das Hotel ist sehr hellhörig, die Dusche mini, Sigi hätte keine Chance.

22.03.2016: Die Tempel Großgriechenlands

Das Frühstück findet wieder mit großer Lärmkulisse statt, wir fühlen uns an eine JuHe erinnert. Die Versorgung im vorherigen Hotel war besser. Nachschub kommt zunächst recht zögerlich – es warten halt doch viele Menschen zeitgleich auf das Frühstück -, dann wird aber zügig nachgeliefert.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Selinunt zum Tal der Tempel. Hatte die Sonne früh noch schön geschienen, zieht es sich während der Fahrt langsam zu. Bedauerlicherweise sind die Tempel zunächst nicht besonders gut beleuchtet. Den Platz selbst allerdings schmückt ein fantastischer Pflanzenwuchs, alles in den verschiedensten Rot-, Gelb- und Blautönen. Wilder Fenchel (gelb) mitten im tiefblauen Boretsch, duftender Wermut und ein riesiger, blau blühender Rosmarin wiegen sich im kräftigen Wind. Und in dieser herrlichen Pflanzenwelt liegen die umgestürzten Säulen der verschiedenen Tempel.  Interessant ist, dass diese Säulen alle in der gleichen Richtung liegen. Vielleicht war ein historischer Tsunami die Ursache. Die Sonne kommt jetzt immer wieder heraus, so dass auch die Fotografen auf ihre Kosten kommen.

Während wir durch das Tempelgebiet und die Wohnhäuser wandern, folgt uns ein herrenloser Hund. Plötzlich entdeckt er eine kleine Spitzmaus, die er neugierig beschnüffelt. Die Maus stellt sich sofort tot. Starr liegt sie mit verdrehten Beinen da, bis der Hund das Interesse verliert. Wir wollen sehen, ob die Maus wirklich tot ist und stupsen sie leicht an. Jetzt gerät sie in Bewegung und schaut uns ob dieser Störung sehr empört über die Schulter an. Völlig ohne Angst bleibt sie schließlich liegen, bis wir schließlich weitergehen.

Das Mittagessen soll bei Selinunt am Strand stattfinden. Für die Gruppe ist ein Restaurant mit Salat-All-you-can-eat vorgesehen. Wir begnügen uns mit Panini und Bier/Espresso für 8,00 EUR in einer Bar im Freien, allerdings hinter einem Windschutz, weil der Wind schon recht heftig pfeift.

Nach dem Mittagessen geht es ins Landesinnere nach Segesta. Beim Tempel ist es noch etwas hell, aber dann zieht es endgültig zu. Der Wind kommt noch stärker auf und es fallen einige Regentropfen. Zur Akropolis und zum römischen Theater benutzen wir den Shuttle-Bus. Oben ist es so windig, dass wir uns einen Abstieg zu Fuß schenken und mit dem Bus wieder zurückfahren.

Die letzte Strecke geht dann nach Palermo. Das Hotel ist schön, direkt an einem Englischen Garten. Wir haben ein  riesiges Bad und auch sonst viel Platz. Das Restaurant im Erdgeschoß ist geschlossen, das Abendessen müssen wir deshalb selber organisieren (war aber so geplant).

Ein Stück die Straße in die Stadt entlang finden wir in einer Seitenstraße rechts eine kleine Pizzeria. Außen ist ein Lokalbereich, der aber noch nicht in Betrieb ist. Es ist wohl noch zu früh im Jahr. Aber die Treppe runter in einem Keller ist das sehr schön eingerichtete Lokal offen, ganz in lindgrün, mit Stoff gedeckt. In einer Art Hinterzimmer ganz weit hinten im Keller ist eine große Tafel festlich gedeckt. Im Laufe des Abends kommen immer mehr Leute (Italiener! Ein gutes Zeichen), die sich dort offensichtlich zu einer Geburtstagsfeier treffen.

Zwei aus der Reisegesellschaft essen auch schon dort (Mutter mit Tochter). Wir nehmen eine Art Caponata, Käse-Gnochi, eine Pizza 4-Formaggi, dazu ein halber Liter Rotwein und ein Bier (aus München) vom Fass: zusammen 39,00 EUR. Alles schmeckt wunderbar – selbst die Brötchen, wir wollen da am nächsten Tag nochmal hin, denn beim Bezahlen sehen wir, dass in der „Küche“ Fische und Tintenfische, verschiedene Vorspeisen und Nachtische und Kuchen liegen. Da wollen wir dann vielleicht einen Fisch ausprobieren.

Sizilien 2016 – Zweiter Teil

→ Bilder: Von Catania nach Segesta

 


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