Welche Art von Mühlen gab es?

Mühlen nach Funktion

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Grundelement jeder Wassermühle war das durch fließendes Wasser sich drehende Mühlrad. An der Pegnitz kamen nur unterschlächtige Räder zum Einsatz, bei denen das fließende Wasser unten auf die Radschaufeln drückt. Am Fischbach wurde das Wasser von oben auf die oberschlächtigen Räder geleitet und drehte sie durch sein Gewicht. Die Drehung der Achse konnte mit Transmissionen oder Getrieben direkt auf Mühlsteine oder Schleifwerke übertragen werden. Das war bei den unterschiedlichen Mahlmühlen bzw. den Schleif- und Polierwerken der Fall:

  • Mahlmühlen: Das  seit langem bekanntem Prinzip der Handmühlen wurde mehr oder weniger technisch aufgewertet. Auf einem ruhenden Schleifstein unten dreht sich ein weiterer Schleifstein, der durch das Gewicht und die Rauheit des Steins das Mahlgut zerkleinert. In den Mahlmühlen wurde vor allem Getreide zu Mehl gemahlen.
  • Gewürzmühlen, Gipsmühlen: Das Prinzip der Mahlmühle ließ sich auch auf feste mineralische Stoffe oder Gewürze übertragen.
  • Schleifmühlen: Messerer (Messerhersteller) und Schwertfeger (Schwertschleifer) glätteten und schliffen ihre Werkstücke aus Metall an rotierenden Schleifsteinen.

Das Schleiferhandwerk war in drei Gruppen unterteilt: Rauschleifer, Klingenschleifer und Stand- und Pflasterschleifer.
Die Rauschleifer waren für das Schleifen von Äxten und Hacken zuständig, sie arbeiteten nur innerhalb der Stadtmauern und durften Lehrlinge ausbilden.
Die Klingenschleifer waren zuständig für das Schleifen von Messer- und Schwertklingen, sie arbeiteten nur außerhalb der Stadtmauern. Auch sie durften Lehrlinge ausbilden.
Die Stand- und Pflasterschleifer waren am stärksten eingeschränkt. Sie hatten nur die Erlaubnis, gebrauchte Klingen zu schärfen und mussten dazu ausschließlich Handschleifsteine benutzen. Es war ihnen im Gegensatz zu den Rau- und Klingenschleifern verwehrt, Lehrling ausbilden.  Auch ihre Zahl war begrenzt, in der Stadt Nürnberg waren nur zwei wandernde Pflasterschleifer und vier Standschleifer zugelassen (einer an der Augustinerkirche, einer am Bollert, einer auf dem Säumarkt und einer unterhalb der Frauenkirche).

  • Poliermühlen: Zur Herstellung glatter Metall- oder Spiegelglasoberflächen war eine etwas andere Vorgehensweise nötig, die Werkstücke mussten poliert werden. Dabei wurden mit Poliermitteln unterschiedlicher Körnung in langwierigen, oft tagelangen Poliergängen Bearbeitungsspuren oder Beschädigungen auspoliert. Als Poliermittel wurden Schmirgelsand unterschiedlicher Körnung oder Asche teilweise unter Zusatz von Öl verwendet. Bekannt sind die Harnischmühlen für Beckenschläger und Harnischmacher (Plattner).
  • Glasschleifen: Die Bearbeitung von Glasscheiben für Fenster kann man sich irgendwo zwischen Schleifen und Polieren vorstellen. Glasherstellung im Mittelalter war noch nicht perfekt. Für die Herstellung glatter Oberflächen bei Scheiben und Spiegeln aus kleinen runden Gläsern (Butzenscheiben) oder aufgebogenen Glaszylindern (Flachglas) waren ebenfalls oft tagelange Schleifgänge nötig.
  • Rohrbohrmühle: Mit langen Bohrern wurden in den Rohrbohrmühlen Holzstämme der Länge nach durchbohrt. Diese Holzrohre wurden zu Wasserleitungen verbaut und speisten öffentliche Brunnen (z.B. die Schönbrunnenröhren von der Wöhrder Wiese zur Innenstadt) oder versorgten die Häuser der Stadt, wenn keine eigenen Hausbrunnen vorhanden waren.
  • Metallschleifmühlen: Ahlenschmiede und Nadler nutzten die von der  Wasserkraft angetriebenen Schleifsteine um Ahlenspitzen und Nadeln aus den Rohdrähten der Drahtzieher herzustellen.
  • Rotschmieddrechsel: Die Kraft des fließenden Wassers wurde über Getriebe oder Transmissionen auch als Antrieb für Drehbänke zur Herstellung von Hohlgefäßen aus Kupfer oder Messing eingesetzt. Die dabei verwendete Technik wurde in Nürnberg als Geheimnis wohl gehütet. Die Rotschmieddrechsler gehörten wie einige andere Berufe zu den gesperrten Gewerben, die strengen Auflagen unterlagen (kein Verlassen der Stadt oder Arbeiten bei auswärtigen Handwerkern, keine Weitergabe des Werkzeugs)


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